Wissenschaft und Korrespondenz

 Quelle: Aboutpixel.de / Notizen © Thomas Pieruschek

Quelle: Aboutpixel.de / Noti­zen © Tho­mas Pieruschek

All jene, die sich im Dunst­kreis von Wis­sen­schaft bewe­gen und einen Hauch Inter­esse für die Geschichte des eige­nen Fachs auf­brin­gen wer­den dies ken­nen: Bücher mit der Kor­re­spon­denz von Wis­sen­schaft­lern, Gelehr­ten, Lite­ra­ten, Künst­lern und Ver­le­gern. Der Brief galt als Test für die Belas­tung der eige­nen Über­le­gun­gen bevor die Ergeb­nisse in Buch­form ver­öf­fent­licht wur­den. Es wurde eine regel­rechte Kul­tur der Kor­re­spon­denz gepflegt und streng in den Tages­ab­lauf eines Wis­sen­schaft­lers inte­griert. Heute zeh­ren wir in der Erfor­schung der Genese von Ideen, indem wir edierte Kor­re­spon­den­zen ver­fol­gen kön­nen und oft an einem Pro­zess der Ent­ste­hung ex-post teil­ha­ben können.

Auf einer ande­ren Art und Weise ist dies wohl heute auch noch der Fall – aber eben nicht mehr via Brief, son­dern in Form der E-Mail. Die Wich­tig­keit der Kor­re­spon­denz hat sich wohl nicht ver­än­dert, ledig­lich die Form. Obwohl aus eige­ner Erfah­rung – und damit rein sub­jek­tiv und ohne Fun­da­ment behaup­tet – geht es heute weni­ger um die Wis­sen­schafts– und For­schungs­in­halte in der Kor­re­spon­denz, son­dern mehr und mehr um die Orga­ni­sa­tion der For­schung, um die Abspra­che und das Mana­gen von For­schungs­ver­bün­den, das Orga­ni­sie­ren von Kon­fe­ren­zen und die Zusam­men­ar­beit in der Ver­öf­fent­li­chung eines gemein­sa­men Arti­kels, um die Orga­ni­sa­tion des nächs­ten Semes­ters an einer ande­ren Universität.

Wel­che Art von Kor­re­spon­den­ze­di­tio­nen aus der Wis­sen­schafts­kor­re­spon­denz des 21. Jahr­hun­derts wer­den, ist aus ver­le­ge­ri­scher Sicht eine schwie­rige Frage. Aus der täg­li­chen Arbeit weiß ich, dass der Aus­tausch mit Auto­ren und Her­aus­ge­bern in Form von E-Mails essen­ti­ell ist und das auch hier­über die Genese eines Buches ver­folg­bar ist, auch wenn zahl­rei­che Dinge münd­lich ver­han­delt wer­den und somit sel­ten fixiert sind.

Mis­sen möchte ich die Lek­türe von Kor­re­spon­den­ze­di­tio­nen zwi­schen Wis­sen­schaft­lern, Künst­lern und Ver­le­gern nicht und frage mich daher, wie dies in Zukunft gehand­habt wer­den wird bzw. wer­den kann. Mit einem befreun­de­tem Archi­var dis­ku­tiere ich dies regel­mä­ßig und ver­folge die Pro­bleme der Archi­vie­rung von elek­tro­ni­scher Kor­re­spon­denz – eine zufrie­den­stel­lende Lösung ist bis jetzt nicht gefunden.

Was mei­nen Sie? Sind Wis­sen­schafts­edi­tio­nen noch zeit­ge­mäß und sinn­voll? Haben Sie Vor­stel­lun­gen von einer zukünf­ti­gen Kor­re­spon­den­ze­di­tion? Was ist Wert archi­viert zu wer­den? Lesen Sie Briefwechsel?

Über den Autor

Jan Meine

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07 2009

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