Diskussion: sind E-Books eine eigene Medienform?

In den letz­ten Mona­ten ent­wi­ckelte sich um E-Books und ihre Bedeu­tung für die Ver­lags– und Medi­en­bran­che eine heiße Dis­kus­sion. Auf­trieb erhielt sie durch die Vor­stel­lung des iPads, dem u. a. Lese­ge­rät für E-Books von Apple. Der Grund­ton in der Dis­kus­sion ist, daß sich hier für Ver­le­ger neue Geschäfts­mo­delle auf­tun, die sie auf­grund ihrer kon­ser­va­ti­ven, wenig beweg­li­chen und behar­ren­den Ein­stel­lung ver­spie­len. War­nun­gen, es wird der Ver­lags­bran­che dann wie der Musik­in­dus­trie bei Bei­hal­tung die­ser Posi­tion erge­hen, sind nicht zu über­hö­ren. Ohne Zwei­fel gibt es diese Posi­tion. Gleich­zei­tig ver­su­chen nicht wenige Ver­lage, mit diver­sen Model­len diese Sparte zu bedie­nen. Und nun fan­gen die Pro­bleme, die Unsi­cher­hei­ten, die ver­schie­de­nen Erwar­tun­gen, die auf­ein­an­der pral­len, an. Unter­schied­lich kon­fi­gu­rierte, zumeist jetzt noch für die All­ge­mein­heit arg über­teu­erte End­ge­räte ste­hen diver­sen For­ma­ten gegen­über. Dabei spielt die Rech­te­ver­wal­tung eine nicht zu unter­schät­zende Rolle. Wei­tere Pro­blem­fel­der sind die Preis­ge­stal­tung: zu teuer rufen die einen, weni­ger geht nicht rufen die ande­ren. Und wie kommt das E-Book zum End­kun­den? Die Rolle als zen­trale Platt­form füllt libreka! (vom Bör­sen­ver­ein des deut­schen Buch­han­dels gelei­tet) nicht aus, bekannte, von der Masse der Leser (die es ja so noch nicht gibt) Alter­na­ti­ven gibt es – zumin­dest in Deutsch­land – noch nicht. Dies wird sich wohl mit dem iBook-Store von Apple ändern.

Das Grund­pro­blem beim E-Book ist:

1. Die Dis­kus­sion geht von der klas­si­schen Publi­ka­tion aus. Alle Argu­mente, Vor­stel­lun­gen und Ideen bezie­hen sich auf ein klas­si­sches Pro­dukt, wel­ches eben nun elek­tro­nisch ist. Das ist der fal­sche Ausgangspunkt.

2. Erschließt sich aus 1. Wie soll das E-Book aus­se­hen? Soll es ein­fach ein elek­tro­ni­sches Buch sein? Soll es Zusatz­funk­tio­nen haben und wenn ja, wel­che? Oder ist es am Ende ein eige­nes Ding (das evo­lu­tio­näre Kind des Buches)? Und diese Frage stellt sich an die End­nut­zer: was soll das E-Book kön­nen? Die­ser letzte Punkt fehlt mir kom­plett in der Dis­kus­sion. Da wird gesagt, die E-Books so gehen nicht, aber was sie kön­nen sol­len, lese ich lei­der in kei­ner Diskussion.

Was bleibt aber beim E-Book, auch wenn es zu einer eige­nen Medien(-Misch-)form wird. An ers­ter Stelle steht die Idee, die Geschichte bei der Bel­le­tris­tik, die These beim Sach– und Fach­buch. Liegt das Manu­skript vor, so braucht es ein gutes Lek­to­rat, um die Spreu vom Wei­zen zu tren­nen. Dem folgt der Satz, zusätz­li­che Medi­en­mög­lich­kei­ten (Ton, Bild, Inter­ak­ti­vi­tät), die Her­stel­lung. Letz­te­res wird sich ab einem bestimm­ten Punkt, näm­lich dann, wenn die Fah­nen zum Druck gehen, ändern. Dies ist auch der Punkt, an dem sich das E-Book von der klas­si­schen Form unter­schei­det, wo der zukünf­tige Men­ta­li­täts­wan­del, der Bruch im heu­ti­gen Den­ken liegt. Es gibt kein Ori­gi­nal mehr. Alles ist Kopie und Ori­gi­nal zugleich, zudem unend­lich ver­viel­fäl­tig­bar. Hier liegt die Krux. Warum soll ich als Leser genau­so­viel für das E-Book wie für eine Druck­aus­gabe bezah­len, wenn der Ver­lag nur noch auf Copy&Paste drü­cken muß. Kas­siert da der Ver­lag nicht ab? Wie recht­fer­tigt er den Preis, der höher als ein paar Euros liegt? Hier den­ken sowohl Leser, als auch Ver­lag vom klas­si­schen Buch her. Das ist das eigent­li­che Kern­pro­blem der Dis­kus­sion! Ent­we­der es ist eine andere Form des klas­si­schen Buches oder das E-Book ist eine kom­plett neue Medi­en­form. Das hängt von der Erwar­tungs­hal­tung der Kun­den und der Bereit­schaft zum Wan­del bei den Ver­la­gen ab. Und hier man­gelt es an der Aus­ein­an­der­set­zung, an der For­mu­lie­rung von Wün­schen, auf bei­den Sei­ten! Bis zur Her­stel­lung des End­pro­duk­tes, der Fahne im ursprüng­li­chen Sinne, des Mas­ter­tapes in der Musik­in­dus­trie, blei­ben die Auf­ga­ben gleich, die nun mal nicht kos­ten­los zu machen sind, wenn gute Qua­li­tät erzielt wer­den soll. Auch ein E-Book recht­fer­tig sei­nen Preis (der von Ange­bot und Nach­frage bestimmt wird). Nicht nur im Druck, son­dern viel­mehr in den Arbeits­schrit­ten zuvor liegt die Wert­schöp­fung. Wenn diese Erkennt­nis wie­der in das Bewußt­sein aller steigt, wird es zu einer befrie­di­gen­den Dis­kus­si­ons­lö­sung kom­men. Auf­ein­an­der zuge­hen und zuhö­ren sind die Schlüs­sel zum Erfolg.

Was mei­nen Sie?

Wir freuen uns über eine anre­gende Dis­kus­sion. Der Meine Ver­lag steht – das zu unse­rer Posi­tion – als inno­va­ti­ver Ver­lag neuen Tech­no­lo­gien und Ände­run­gen offen und inter­es­siert gegenüber.

P. S.: Diese Dis­kus­sion läßt sich dann wei­ter beim Punkt der Preis­bin­dung füh­ren. Aber es ist recht ein­fach zu klä­ren: wol­len wir die Preis­bin­dung als Schutz des beson­de­ren Kul­tur­gu­tes Buch? Wenn ja, ist das E-Book (auch wenn es eine eigene Medi­en­form wäre) auch ein Kul­tur­gut? Soll­ten beide Frage mit Ja beant­wor­tet wer­den, dann gilt für das E-Book auch die Preisbindung.

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Wenke Richter

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01

02 2010

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  1. Sydney #
    1

    Zur Garde der Infor­ma­ti­ker ange­hö­rend bin ich viel­leicht von Haus aus etwas skep­ti­scher und kon­ser­va­tiv gegen­über neuen tech­ni­schen Errun­gen­schaf­ten ein­ge­stellt. Obwohl ich nicht selbst im Besitz eines eBook-Lesegeräes bin (damit meine ich Geräte sämt­li­cher Art, die mit einem eInk-Display (elek­tro­ni­sches Papier) aus­ge­rüs­tet sind), bin ich doch ein Fan die­ser Tech­nik. Zum einen finde ich die Art der Dar­stel­lung sehr fas­zi­nie­rend, zum ande­ren hat man damit viel mehr Stau­flä­chen in sei­nem Bücher­re­gal. Denn das ist das, was ich damit machen will. Ich möchte ein­fach meine Bücher 1:1 in elek­tro­ni­scher Form lesen kön­nen.
    Warum? Ganz ein­fach. Wenn ich zum Bei­spiel abends mit mei­ner Freun­din im Bett liege, möchte ich nicht aus ihrem “Buch” irgend­wel­che Hin­ter­grund­mu­sik hören. Auch anders herum will ich nicht, dass es dazu kommt, das ich mein Buch nicht wei­ter “lesen” kann, weil ich mir als nächs­tes ein Video anschauen muss, ohne das ich den wei­te­ren Ver­lauf nicht mehr fol­gen kann, aber meine Freun­din schon schläft und ich sie mit dem Ton nicht wecken will.
    Und ist der Reiz des Lesens auch nicht gerade darin, dass man nichts hört und nichts ani­miert ist? Das man gezwun­gen wird, sich die Dinge sel­ber vor­zu­stel­len? Und auch die Auto­ren “gezwun­gen” wer­den so zu schrei­ben, dass man sich etwas vor­stel­len kann und nicht ein­fach einen Link zu Youtube und Co. ins Buch ein­fü­gen?
    Und ist an der Tech­nik nicht auch gerade das tolle, dass man im Prin­zip wochen­lang in Büchern blät­tern kann, ohne zwi­schen­durch an die Steck­dose zu müs­sen?
    Wenn ich Videos sehen will, dann kann ich auch zu mei­nem Mobil­te­le­fon grei­fen. Inzwi­schen ist fast jedes aktu­elle Modell dazu in der Lage. Und ich brau­che auch kein Lese­ge­rät am bes­ten noch in DIN A3, damit ja noch die FAZ bequem ihren Platz fin­den kann. Denn die meis­ten Bücher lesen ich abends im Bett oder im Urlaub und da hat sich das Taschen­buch­for­mat gut gewährt.
    Und was die Ver­triebs­platt­for­men angeht bin ich mehr Fan davon, wenn man sich die Bücher ein­fach im klas­si­schen Laden z.B. auf CD kau­fen oder im Inter­net her­un­ter­la­den kann und diese anschlie­ßend ein­fach auf das Gerät kopiert. Ich brau­che keine “voll­au­to­ma­ti­sier­ten” Platt­for­men, die mir quasi wie von Geis­ter­hand die Daten auf mein Gerät zau­bern. Denn umge­kehrt funk­tio­niert das Spiel dann näm­lich auch, wie schon z.B. bei Ama­zon in Ame­rika gese­hen. Dann sind auf ein­mal die Daten wie­der wie von Geis­ter­hand “weg”.
    Was das Preis­ni­veau der ele­tro­ni­schen Bücher betrifft bin ich der Mei­nung, dass diese unter den Pei­sen eines ver­gleich­ba­ren Taschen­buchs lie­gen müs­sen (unter der Vor­aus­set­zung, dass das eBook “nur” Text beinhal­tet). Von Außen betrach­tet würde ich sagen, dass der Auf­wand, ob man das Lay­out für ein eBook oder für ein klas­si­sches Buch erstellt, ähnlich hoch sein müsste. Dem­zu­folge ent­fal­len die kom­plet­ten Druck­kos­ten bei der elek­tro­ni­schen Vari­ante. Die Kos­ten für den Vetrieb der klas­si­schen Bücher kann man ver­mut­lich mit den Kos­ten für den Betrieb einer Online-Plattform gegen­rech­nen, zumal viele schon mit Platt­for­men im Netz ver­tre­ten sind. Auf kei­nen Fall dür­fen die Preise über denen eines Taschen­buchs lie­gen, mal ganz abge­se­hen von den Hardcover-Versionen, aber das ist noch ein ganz ande­res Thema.
    Also mein Fazit: Ich möchte eBooks ohne Ton und Ani­ma­tio­nen haben, Geräte in einer Größe, die noch bequem ins Rei­se­ge­päck pas­sen und die Preise für die eBooks soll­ten ein bis drei Euro unter denen der klas­si­schen Taschen­buch­va­ri­ante liegen.

  2. krimimimi33 #
    2

    Nach der net­ten Auf­for­de­rung via twit­ter komme ich hier gerne in’s Schwär­men dar­über, was ich mir von ebooks wün­sche. Denn das hat sich nach der Vor­stel­lung vom ipad grund­le­gend ver­än­dert. Ich bin eine Lese­ratte und liebe die Hap­tik von Büchern. Daran wird sich sicher auch nichts ändern. Kindle, Sony Rea­der etc haben mich kalt gelas­sen. Aber das ipad hat meine Fan­ta­sie beflü­gelt. Dar­auf kön­nen ebooks end­lich einen rich­ti­gen Mehr­wert zur Prin­t­aus­gabe lie­fern. Ich stelle mir vor, daß es die Gen­res ver­eint, so wie es auch das ipad kann. Wenn also in einem Buch ein Lied gespielt wird, dann möchte ich das im ebook ankli­cken und auch hören kön­nen. Bil­der soll­ten nun sowieso ein­fa­cher ein­ge­bun­den wer­den kön­nen — je nach Situa­tion in Farbe, s/w, Sepia etc. Ich kann mir auch vor­stel­len, daß geschrie­bene Teile ergänzt oder gar ersetzt wer­den durch einem klei­nen Film besteht, z.B. ein Schat­ten, der durch dunkle Stra­ßen­schluch­ten flieht als Beginn eines Kri­mis. Bücher sind für mich Kopf­kino — warum sollte der Autor das nicht nut­zen? Und mich direkt in das Gesche­hen ver­sin­ken las­sen, mit so vie­len Sin­nen wie mög­lich.
    Ich kann mir sogar vor­stel­len, daß man durch einen ein­fa­chen Klick im Buch den Prot­ago­nis­ten emails schi­cken kann. Das wär doch was! Die email accounts wer­den dann vom Autor oder Ver­lag gepflegt. Das ist sicher extra-Arbeit. Aber viel­leicht kom­men dar­aus die Ideen für ein wei­te­res Buch.
    So oder so, ebooks kön­nen in mei­nen Augen nur Mehr­wert brin­gen und sich dadurch ein Ter­rain erobern, wenn Auto­ren und Ver­lage sich dem Medium öffnen und es krea­tiv nut­zen. Und das wünsch ich mir.

  3. 3

    @krimimimi33 Da höre ich schon die Bran­che und das Feuille­ton ächzen. Sol­che mul­ti­me­dia­len E-Books wären natür­lich das Non­plus­ul­tra des­sen, was tech­no­lo­gisch mach­bar ist. Das kön­nen aber nur ganz wenige große Medi­en­häu­ser stem­men und ich frage mich auch, ob der Kunde dann am Ende bereit wäre, den sicher nicht ver­nach­läs­sig­bar hohen Laden­preis dafür zu zah­len.
    Und ich höre schon das Feuille­ton den Unter­gang der abend­län­di­schen Kul­tur bewei­nen. Bücher sind Kopf­kino, natür­lich. Aber mit audio­vi­su­el­len Unter­le­gun­gen bekommt die­ses höch­stei­gene Kopf­kino Aus­sen­im­pulse und Sti­mu­lan­zien, die es vor­her nicht bekom­men hat. Und nach land­läu­fi­ger Mei­nung auch nicht musste.
    Durch­aus span­nende Expe­ri­mente sind denk­bar (und ver­mut­lich eher in Fach– und Sach­bü­chern von Inter­esse, etwas das fil­mi­sche Dar­stel­len von Abläu­fen), aber diese wer­den wohl eher die Spitze des (Buch-)Eisbergs bleiben…


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  1. Wieviel Buch sollte in E-Books enthalten sein? : Bibliothekarisch.de 02 02 10

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