Die Einflüsse von Open Access auf das Verhältnis der Universitäten untereinander

Bei Twit­ter habe ich einen Link zu einem inter­es­san­ten Arti­kel von Angela Sut­ton zum Thema Open Access und der Ein­fluß auf das Ver­hält­nis der Uni­ver­si­tä­ten unter­ein­an­der gele­sen (Titel des Blog­post: Does Infor­ma­tion want to be free?). Ein wich­ti­ger Aspekt sprach Sut­ton in ihrem Bei­trag an. Open Access hat nicht nur Aus­wir­kun­gen auf die Ver­lags­bran­che, son­dern viel­mehr auch auf das Innen­ver­hält­nis der Uni­ver­si­tä­ten. Wie das? Nach­dem der poli­ti­sche Wille zu Open Access bei der DFG da ist (Stich­wort Merk­blatt und För­de­rung), wird es wohl nicht mehr Jahre dau­ern, bis sich Open Access im Wis­sen­schafts­be­trieb eta­bliert hat – bei der einen Dis­zi­plin eher, bei ande­ren lang­sa­me­rer. Beson­ders stark wird es die Geis­tes­wis­sen­schaf­ten tref­fen, denn hier sind Dritt­mit­tel in der Regel DFG-Mittel. Da wird dann wohl bald nach der Bereit­schaft und den Erfah­run­gen zu die­sem Thema gefragt wer­den. Pro­jekt­grup­pen, die dann nichts vor­wei­sen kön­nen oder sogar eine Ableh­nung signa­li­sie­ren, wer­den es schwie­ri­ger haben, Mit­tel zuge­wie­sen zu bekom­men. Nimmt man dann noch die Dis­kus­sion um das lei­dige Thema “Eli­te­uni­ver­si­tät” hinzu, so sind Kon­flikt­fel­der am Hori­zont zu erken­nen. Aber ande­rer­seits bie­tet Open Access genau den klei­ne­ren Uni­ver­si­tä­ten, die Wis­sen­schafts­szene in Bewe­gung zu ver­set­zen. Ich bin gespannt, wie es hier wei­ter­geht. Was mei­nen Sie?

P. S. In Leip­zig ist mit AEON. Forum für junge Geschichts­wis­sen­schaft und Arbeits­ti­tel. Forum für Leip­zi­ger Pro­mo­vie­rende auf der Open Access-Plattform Wissens-Werk.de ein guter Anfang für die zweit­äl­teste Hoch­schule Deutsch­lands gemacht.

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Wenke Richter

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04

02 2010

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  1. 1

    Die Schwie­rig­kei­ten wer­den dort auf­tau­chen, wo die Papier-Fixierung der (Geistes-)Wissenschaftler ins Spiel kommt und ange­grif­fen wird. In man­chen Dis­zi­pli­nen ist es nach wie vor üblich, sei­nen eige­nen Bei­trag zu Tagungs– oder Sam­mel­wer­ken sowie Zeit­schrif­ten als extra Son­der­druck zur Wei­ter­gabe an die Kol­le­gen und andere Inter­es­sierte zu erhal­ten. Ange­sichts der Tat­sa­che, daß man sowas heute eigent­lich digi­tal per E-Mail-Anhang ver­schickt, eine recht amü­sante Situa­tion, die aber das Ver­hält­nis von klei­ne­ren Fach­ver­la­gen und ihrer wis­sen­schaft­li­chen Kli­en­tel gut illustriert.

    Da wer­den viele Irra­tio­na­li­tä­ten gehegt und gepflegt, z. B. hun­derte von Arbeits­stun­den in akri­bi­sche aber natür­lich immer feh­ler­hafte Indi­ces gesteckt, anstelle eine digi­tale Ver­sion auf CD oder im Netz mit einer umfas­sen­den Voll­text­su­che anzu­bie­ten, auf­wen­dig gestal­tete Tagungs­bände erschei­nen Jahre nach der eigent­li­chen Tagung zu Prei­sen, die sich nur die Uni­ver­si­täts­bi­blio­the­ken leis­ten können.

    Die Netz­werke zwi­schen Wis­sen­schaft­lern und Ver­le­gern bzw. Lek­to­ren sind ja auch teil­weise exzel­lent und “Open Access” wird ja all­ge­mein auch als Ver­lags­kil­ler ver­kauft — will man, daß die eige­nen Schü­ler und ehe­ma­li­gen Kol­le­gen, die nun in Ver­lage arbei­ten, Pleite gehen? Na, also.

    Man ver­traut auf die Geduld und auch Pro­vin­zia­li­tät, die es erschwert, wirk­lich nach­hal­tig inter­na­tio­nale Sicht­bar­keit auch nach kur­zer Zeit zu erlan­gen. Statt­des­sen wer­den Rezen­sio­nen und Fach­auf­sätze nach wie vor in jähr­lich mit Bei­trä­gen aus dem Vor­jahr erschei­nen­den “Jahr­bü­chern” und Jour­na­len mit 2 – 4 Aus­ga­ben pro Jahr ver­senkt, die ihrer­seits in den Fach­bi­blio­the­ken in den Rega­len vor sich hin­ster­ben. Erschlos­sen wer­den die Jahr­gänge durch gedruckte Indi­ces, die im dar­auf­fol­gen­den Jahr zur Ver­fü­gung ste­hen. Oder, wenn man Glück hat, 2 – 5 Jahre spä­ter durch eine elek­tro­ni­sche Bibliographie.

    Aller­dings fehlt es auch an ver­nünf­ti­gen Por­ta­len mit nut­zer­freund­li­chen und anspre­chen­den Sucho­ber­flä­chen, das meiste kommt im “DDR”-puristischen Habi­tus daher, als ob man die Bedie­nung mit Absicht erschwe­ren und erst recht nicht zum Ver­gnün­gen wer­den las­sen will. Die uni­ver­si­tä­ren Repo­si­to­rien sind auch oft sol­che Daten­grä­ber, wenn sie nicht über ein Gesamt­por­tal erschlos­sen wer­den kön­nen und sowohl den Auto­ren wie den Insti­tu­tio­nen genü­gend Sicht­bar­keit und dar­aus­fol­gend Repu­ta­tion verschaffen.

    Diese Repu­ta­tion saugt man jetzt noch aus dem Gedruck­ten, man veschickt Rezen­si­ons– und Devo­ti­ons­ex­em­plare an die Älte­ren (maio­res), wel­che sie dann unge­le­sen auf den Sta­pel legen und die Bücher in Kis­ten ver­brin­gen, sobald der Sta­pel gekippt ist. Aber der ritu­elle Aus­tausch ist es, auf den es ankommt, nicht auf das Objekt selbst. Aber ohne Objekt kein Ritus.

    Die Dis­zi­pli­nen, in denen man die­sen Riten und Kult­ob­jek­ten sehr ver­haf­tet ist, wer­den auf die Not­wen­dig­keit des Erhalts pochen, die Fach­ver­lage wer­den über die Her­aus­ge­ber­gre­mien inter­ve­nie­ren und alle mit­ein­an­der wer­den EIn­fluß neh­men (wol­len), um Son­der­re­ge­lun­gen und Aus­nah­men zu eta­blie­ren, damit alles so bleibt, wie es war. Weil in den Wis­sen­schaf­ten ja auch nicht das Mög­lich, son­dern nur das Fak­ti­sche zählt.



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