Gespensteralarm!!! Kanadakolumne #010
„Shì“, „bù“, „xièxie“ und „nínhǎo“! Ja, ich lerne chinesisch! Aber nur gelegentlich – immer dann, wenn ich mich nicht gerade mit Bärenvermeidungs-Maßnahmen befasse oder auf englisch meinen Kaffee bei Starbucks bestellen muss. Die drei Worte bedeuten übersetzt: „Ja“, „Nein“ und „Danke“ und ich habe sie von unseren chinesischen Freunden Zhen und Vivian gelernt. Seit dem gemeinsamen Essen in ihrem Hause, sind wir immer mal wieder mit ihnen unterwegs und erfahren allmählich mehr über ihren chinesischen Lebensstil. Zuletzt sind wir gemeinsam auf den Mount Douglas (Berg inmitten Victoria’s) gewandert und haben gepicknickt. Wenn es einem Chinesen schmeckt, dann wird gerne einmal laut geschmatzt. Für uns eine ungewohnte Art und Weise, sich für unsere Käsesandwiches zu bedanken. Wie man sich auf chinesisch richtig zuprostet, müssen wir vorerst nicht lernen. Es ist in Kanada verboten, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken und unser Freund besitzt eine Alkohol-Unverträglichkeit und bekommt beim Trinken Ausschlag und Pusteln – ein schreckliches Leiden! Wie er da wohl bei seiner Hochzeit angestoßen hat?
Lesen Sie den vollständigen Blogeintrag hier
Zhen und Vivian sind etwa in meinem Alter und haben bereits vor zwei Jahren den Bund der Ehe geschlossen. Das chinesische, familiäre Großereignis wurde mit 500 Gästen gebührend gefeiert. Für Jemanden, der in einer 10 Millionen Metropole lebt; kein Problem. Zhen und Vivian geben ein niedliches Paar ab. Auch wenn die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau so langsam aufweicht; ist es Vivian, die täglich für ihren Mann kocht. Als Zhen nach dem gemeinsamen Essen (vor zwei Wochen) ein großes Messer in die Hand nahm, erkannten wir eindeutig Panik in Vivian’s Augen. „Er benutzt diese Küchenwerkzeuge nur sehr selten.“, erklärte sie und schaute ängstlich zu, wie er mit dem scharfen Gegenstand in die dicke, runde Melone pikste. Trotz ungewohnter Tätigkeit, hatte er zum Glück nur die Frucht und keinen seiner Tischgäste zerteilt. Trotz Vertrauen und Liebe, die die beiden zweifelsohne füreinander empfinden, gibt es aber auch Eifersüchteleien in der chinesischen Beziehung. Beim lockeren Schwatz auf der Spitze des Mount Douglas, erzählt Zhen von seinem Flug zu einer Konferenz nach Montreal. Beiläufig erwähnt er, dass ihn die kanadische Frau auf dem Nebensitz, bei der Auswahl eines Spielfilmes unterstützt hat. Seine Frau Vivian bekommt große Augen, dreht sich entsetzt zu ihm und fragt: „Was??? Das hast du ja noch gar nicht erzählt!“ Dem folgt eine knappe Konversation in chinesischer Sprache und eine liebevolle Umarmung. Wir sind beruhigt. Meine spannendste Lektion bleibt aber die Erkenntnis, dass Chinesen keine Blondinenwitze kennen! Woran das wohl liegt?
Zuletzt möchte ich noch anmerken, dass wir seit kurzem einen Hausgeist besitzen. Er ist vermutlich nicht chinesischer Abstammung – so wie unser Vermieter, der beim Rasenmähen gern mehrmals freundlich in das Haus hinein winkt. Der Geist ist bisher nur von Conny gesichtet worden. Sie schwört, dass sie eine junge Frau mit blonden Locken entdeckt hat. Trotzdem ich sie freundlichst darauf hinweise, dass sie während dieser Entdeckung neben unserem riesengroßen Flurspiegel gestanden hat, beharrt sie auf ihrer Feststellung. Seitdem klügeln Per-Kristian, Conny und ich Strategien zur Überführung des lockigen Gespenstes aus …




immerwieder toll zu lesen und voll spritzig,locker & lustig geschrieben.
als wenn man selbst bei manchen dingen dabei gewesen wäre,hihi.
danke für die tolle unterhaltung frau host..
liebe grüßle
Vielen Dank!