Habt ihr Euch etwa verlaufen? Kanadakolumne #012

Die kana­di­sche Juni­sonne scheint mir auf den Kopf und wärmt meine Gedan­ken. Wäh­rend ich so auf der Ter­rasse sitze und über das Thema der dies­wö­chi­gen Kolumne nach­denke, wird mir bewusst, dass es Halb­zeit ist. Nein, nicht beim Fuß­ball! Conny und ich haben nun schon die Hälfte unse­res Aus­tausch­se­mes­ters in Kanada hin­ter uns. Erschre­ckend, wie schnell die Zeit bis­her ver­gan­gen ist. Jeden­falls möchte ich „das Berg­fest“ zum Anlass neh­men, um meine per­sön­li­chen „Kanada-Highlights“ mit Euch zu tei­len. Schon in der letz­ten Woche wurde klar, dass die Abfluss­rohre hier etwas schma­ler sind und zur Papier-Sparsamkeit gera­ten wird. Pas­send dazu, lie­gen die Preise für das Toi­let­ten­pa­pier wesent­lich höher, als bei uns. So haben wir tri­um­phiert, als es heute das 2-lagige „Royale“ für nur 7$ (plus Steu­ern) im Super-Sonderangebot gab. Bis auf die Abfluss­rohre ist sonst (fast) alles ein wenig grö­ßer. So fal­len wir fast wöchent­lich, nach dem Ein­kau­fen, vom Fahr­rad, wenn wir 4-Liter-Milchkanister, XXL-Säfte und Joghurt-Eimer (Son­der­an­ge­bot!), spa­zie­ren fah­ren. Auch die wun­der­schöne Natur ist üppi­ger und urwüch­si­ger, als bei uns. Um eine der ural­ten, rie­si­gen Zedern umar­men zu kön­nen, bedarf es schon ein wenig Arm­gym­nas­tik. Die gigan­ti­schen Kie­fern­ge­wächse errei­chen näm­lich einen Durch­mes­ser von bis zu fünf Metern und sol­len einem Glück brin­gen, wenn man sie lie­be­voll umarmt. Apro­pos lie­be­voll:
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Die Kana­dier sind extrem hilfs­be­reite und kon­takt­freu­dige Men­schen, die mit Frem­den beson­ders gern plau­dern. Wenn wir manch­mal auch nur einen Stadt­plan in der Hand hal­ten, wer­den wir schon ange­spro­chen und für­sorg­lich gefragt, ob wir uns ver­lau­fen haben oder Hilfe benö­ti­gen. Bei einer Rad­tour vor eini­gen Wochen, haben wir einen schnel­len Blick auf unsere Rad­wan­der­karte gewor­fen und sind sofort wei­ter­ge­fah­ren. Den­noch hat sich ein älte­rer Herr auf sei­nem Renn­rad beharr­lich nach uns umge­se­hen und uns ange­spro­chen, um sicher zu gehen, dass wir uns auch nicht ver­fah­ren haben. Selbst die Bus­fah­rer sind in Punkto Herz­lich­keit ganz weit vorn, so hel­fen sie ihren Fahr­gäs­ten bei der Suche nach der gewünsch­ten Ziel­hal­te­stelle und plau­dern gelas­sen über die Wet­ter­aus­sich­ten auf Van­cou­ver Island. Mög­li­cher­weise haben sie ihre gute Laune der Tat­sa­che zu ver­dan­ken, dass sich jeder Fahr­gast beim Aus­stei­gen für die Trans­fer­leis­tung bedankt. Das Per­so­nal in Super­märk­ten ist nicht min­der freund­lich. An der Kasse wer­den nicht nur unsere Lebens­mit­tel ein­ge­tü­tet, son­dern auch Kom­pli­mente gemacht. So erfreute sich mein Schuh­werk einst der Begeis­te­rung eines mode­be­wuss­ten Ver­käu­fers, der mich mit den Wor­ten: „Your boots are so beau­ti­ful!“ ver­ab­schie­dete. Zudem sind die Men­schen hier so ver­trau­ens­wür­dig, dass es nicht ein­mal not­we­nig ist, die Haus­tü­ren abzu­schlie­ßen. In unse­rem Haus gibt es einen Sei­ten­ein­gang, der sich nicht ein­mal zuschlie­ßen ließe, selbst wenn wir es woll­ten. Genauso wie die Kana­dier, kön­nen auch wir unse­ren Fahr­rad­helm, beim Ver­las­sen des Rades, ein­fach am Len­ker bau­meln las­sen. Wäh­rend der Anreise unse­rer nor­we­gi­schen Freun­din Hilde, ging ihr Gepäck ver­lo­ren. Es wurde am Fol­ge­tag nach­ge­lie­fert und weil gerade nie­mand im Hause war, ein­fach vor der Tür abge­stellt. Der ein­zige Inter­es­sent hätte ein Reh sein kön­nen, dass auf dem Weg zu unse­rer Ter­rasse am Gepäck geschnüf­felt hätte. Das ist Kanada: Ursprüng­lich, natür­lich, offen­her­zig und riesengroß!

Über den Autor

Mady Host

... geboren 1985, studierte bis zum August 2008 Gesundheitsförderung und –management in Magdeburg. Seit Herbst 2008 studiert sie im Masterstudiengang Sozial- und Gesundheitsjournalismus. Im Februar 2009 erschien ihr erstes Buch über ihre Reise auf dem spanischen Jakobsweg. Im Folgejahr unternahm sie eine Trekkingtour auf Island und im Februar 2010 erschien ihr zweites Buch. Im Rahmen ihres Studiums absolviert sie gerade ein Austauschsemester in Kanada - und genau davon handelt auch ihre Kolumne... Von Magdeburg nach Frankfurt über New York nach Vancouver: Das Abenteuer Kanada kann beginnen! Mady und ihre Freundin Cornelia werden für fünf Monate sowohl den Campus der Uni Victoria, als auch die kanadische Wildnis unsicher machen. Mady berichtet in ihrer Kolumne über ihr Studentendasein in Victoria und denn Abbau ihrer Bären-Phobie.

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Website des Autorenhttp://www.mady-host.de

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06 2010

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