Archiv für ‘Elektronisches Publizieren’-Kategorie

Online, offline: Welche Publikationsform ist wichtiger?

Seit gerau­mer Zeit stoße ich immer wie­der auf ein Thema, was in zahl­rei­chen Dis­kus­sio­nen ange­ris­sen wird, aber kaum mal kon­zen­triert bespro­chen wird. Es ist die Frage nach dem Bedeu­tungs­un­ter­schied zwi­schen klas­si­scher Print– und der (moder­ne­ren) Online­pu­bli­ka­tion. Ohne Zwei­fel ist es in der Ver­lags­bran­che und im Wis­sen­schafts­be­trieb seit gerau­mer Zeit zu einer mas­si­ven Ver­än­de­rungs­be­we­gung gekom­men: als Stich­worte sol­len hier Digi­ta­li­sie­rung, E-Book und Open Access genannt wer­den. Gleich­zei­tig tref­f­eich in ver­schie­de­nen Gesprä­chen mit Fach­kol­le­gen aus der Wis­sen­schaft (gut, es sind bei mir i. d. R. His­to­ri­ker oder andere Geis­tes­wis­sen­schaft­ler) auf Beden­ken, Unkennt­nis und einer – indi­rek­ten  – Abwer­tung von Online­pu­bli­ka­tio­nen. Ähnli­ches wird in dem Arti­kel von Samuel Schläfli zur Akzep­tanz von Open Access ange­deu­tet, den ich hier schon mal gepos­tet in einem ande­ren Zusam­men­hang gepos­tet habe. Für beide Pubil­ka­ti­ons­ar­ten sind die Vor– und Nach­teile bekannt: Online­ver­öf­fent­li­chun­gen, vor allem im Open Access-Format, fin­den eine bes­sere und schnel­lere Ver­brei­tung, kön­nen bes­ser rezi­piert wer­den und för­dern den For­schungs­dis­kurs. Ande­rer­seits bie­tet der klas­si­sche Druck hap­ti­sche Vor­teile bei der Bear­bei­tung von Tex­ten (mar­kie­ren, strom­u­n­ab­hän­gig, man “besitzt” es eben, bis­her auch eine gege­bene Akzep­tanz). Was ich mich frage ist, warum wird die­ser Unter­schied in der Wer­tung von Publi­ka­ti­ons­ar­ten immer noch gemacht? Ich habe in bei­den For­men Auf­sätze publi­ziert und emp­fand online für den Grad der Ver­brei­tung wesent­lich nütz­li­cher. Was sind die Gründe dafür und in wel­chen Berei­chen (denn ich denke, daß eine dem Ver­wen­dungs­zweck ange­paßte Publi­ka­ti­ons­form die “Ide­al­lö­sung” wäre) wären die unter­schied­li­chen Arten geeig­net? Was mei­nen Sie dazu?

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OpenAccess-Zeitschrift Arbeitstitel nun in der EZB gelistet

Arbeitstitel. Forum für Leipziger PromovierendeNicht nur das Publi­zie­ren von neue­ren For­schungs­er­kent­nis­sen ist für die Wissnschaft wich­tig, son­dern auch das Gefun­den wer­den in diver­sen Daten­ban­ken als Vor­aus­set­zung für die Rezep­tion. Dies gilt beson­ders für Open Access-Dokumente. Als gute Nach­richt kön­nen wir Ihnen nun mit­tei­len, daß unsere Open Access-Zeitschrift “Arbeits­ti­tel. Forum für Leip­zi­ger Pro­mo­vie­rende” end­lich in die Daten­bank der Elek­tro­ni­schen Zeit­schrif­ten­bi­blio­thek (EZB) gelis­tet ist. Schnell und unkom­pli­ziert ist von jetzt ab ein Voll­textzu­griff über die Meta­ebene der deut­schen Ver­bund­kat­a­loge möglich.

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25

02 2010

OpenAccess-Journal “Arbeitstitel” in der DOAJ aufgenommen

Arbeitstitel. Forum für Leipziger PromovierendeAm 11. Februar 2010 wurde das OpenAccess-Journal “Arbeits­ti­tel. Forum für Leip­zi­ger Pro­mo­vie­rende” in die Daten­bank des Direc­tory of Open Access Jour­nals (DOAJ) der Uni­ver­si­tät Lund auf­ge­nom­men. Im DOAJ ist ein Ver­zeich­nis von elek­tro­ni­schen Zeit­schrif­ten, die nach den Grund­sät­zen des Open Access publi­zie­ren. Es wer­den nach stren­gen Kri­te­rien nur wis­sen­schaft­li­che Zeit­schrif­ten auf­ge­nom­men, die über ein Qua­li­täts­kon­troll­sys­tem wie das Peer-Review-Verfahren ver­fü­gen und sofort nach dem Erschei­nen (also keine embargo period) ein­seh­bar sind. Im Gegen­satz zur EZB (Elek­tro­ni­sche Zeit­schrif­ten­bi­blio­thek) kön­nen die Arti­kel im DOAJ gele­sen wer­den (abhän­gig von der Sys­tem­pflege der Her­aus­ge­ber oder des Ver­la­ges). Natür­lich könenn alle Bei­träge von Arbeits­ti­tel nicht nur auf Wissens-Werk.de, son­dern auch im DOAJ gele­sen werden.

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15

02 2010

Diskussion: sind E-Books eine eigene Medienform?

In den letz­ten Mona­ten ent­wi­ckelte sich um E-Books und ihre Bedeu­tung für die Ver­lags– und Medi­en­bran­che eine heiße Dis­kus­sion. Auf­trieb erhielt sie durch die Vor­stel­lung des iPads, dem u. a. Lese­ge­rät für E-Books von Apple. Der Grund­ton in der Dis­kus­sion ist, daß sich hier für Ver­le­ger neue Geschäfts­mo­delle auf­tun, die sie auf­grund ihrer kon­ser­va­ti­ven, wenig beweg­li­chen und behar­ren­den Ein­stel­lung ver­spie­len. War­nun­gen, es wird der Ver­lags­bran­che dann wie der Musik­in­dus­trie bei Bei­hal­tung die­ser Posi­tion erge­hen, sind nicht zu über­hö­ren. Ohne Zwei­fel gibt es diese Posi­tion. Gleich­zei­tig ver­su­chen nicht wenige Ver­lage, mit diver­sen Model­len diese Sparte zu bedie­nen. Und nun fan­gen die Pro­bleme, die Unsi­cher­hei­ten, die ver­schie­de­nen Erwar­tun­gen, die auf­ein­an­der pral­len, an. Unter­schied­lich kon­fi­gu­rierte, zumeist jetzt noch für die All­ge­mein­heit arg über­teu­erte End­ge­räte ste­hen diver­sen For­ma­ten gegen­über. Dabei spielt die Rech­te­ver­wal­tung eine nicht zu unter­schät­zende Rolle. Wei­tere Pro­blem­fel­der sind die Preis­ge­stal­tung: zu teuer rufen die einen, weni­ger geht nicht rufen die ande­ren. Und wie kommt das E-Book zum End­kun­den? Die Rolle als zen­trale Platt­form füllt libreka! (vom Bör­sen­ver­ein des deut­schen Buch­han­dels gelei­tet) nicht aus, bekannte, von der Masse der Leser (die es ja so noch nicht gibt) Alter­na­ti­ven gibt es – zumin­dest in Deutsch­land – noch nicht. Dies wird sich wohl mit dem iBook-Store von Apple ändern.

Das Grund­pro­blem beim E-Book ist:

1. Die Dis­kus­sion geht von der klas­si­schen Publi­ka­tion aus. Alle Argu­mente, Vor­stel­lun­gen und Ideen bezie­hen sich auf ein klas­si­sches Pro­dukt, wel­ches eben nun elek­tro­nisch ist. Das ist der fal­sche Ausgangspunkt.

2. Erschließt sich aus 1. Wie soll das E-Book aus­se­hen? Soll es ein­fach ein elek­tro­ni­sches Buch sein? Soll es Zusatz­funk­tio­nen haben und wenn ja, wel­che? Oder ist es am Ende ein eige­nes Ding (das evo­lu­tio­näre Kind des Buches)? Und diese Frage stellt sich an die End­nut­zer: was soll das E-Book kön­nen? Die­ser letzte Punkt fehlt mir kom­plett in der Dis­kus­sion. Da wird gesagt, die E-Books so gehen nicht, aber was sie kön­nen sol­len, lese ich lei­der in kei­ner Diskussion.

Was bleibt aber beim E-Book, auch wenn es zu einer eige­nen Medien(-Misch-)form wird. An ers­ter Stelle steht die Idee, die Geschichte bei der Bel­le­tris­tik, die These beim Sach– und Fach­buch. Liegt das Manu­skript vor, so braucht es ein gutes Lek­to­rat, um die Spreu vom Wei­zen zu tren­nen. Dem folgt der Satz, zusätz­li­che Medi­en­mög­lich­kei­ten (Ton, Bild, Inter­ak­ti­vi­tät), die Her­stel­lung. Letz­te­res wird sich ab einem bestimm­ten Punkt, näm­lich dann, wenn die Fah­nen zum Druck gehen, ändern. Dies ist auch der Punkt, an dem sich das E-Book von der klas­si­schen Form unter­schei­det, wo der zukünf­tige Men­ta­li­täts­wan­del, der Bruch im heu­ti­gen Den­ken liegt. Es gibt kein Ori­gi­nal mehr. Alles ist Kopie und Ori­gi­nal zugleich, zudem unend­lich ver­viel­fäl­tig­bar. Hier liegt die Krux. Warum soll ich als Leser genau­so­viel für das E-Book wie für eine Druck­aus­gabe bezah­len, wenn der Ver­lag nur noch auf Copy&Paste drü­cken muß. Kas­siert da der Ver­lag nicht ab? Wie recht­fer­tigt er den Preis, der höher als ein paar Euros liegt? Hier den­ken sowohl Leser, als auch Ver­lag vom klas­si­schen Buch her. Das ist das eigent­li­che Kern­pro­blem der Dis­kus­sion! Ent­we­der es ist eine andere Form des klas­si­schen Buches oder das E-Book ist eine kom­plett neue Medi­en­form. Das hängt von der Erwar­tungs­hal­tung der Kun­den und der Bereit­schaft zum Wan­del bei den Ver­la­gen ab. Und hier man­gelt es an der Aus­ein­an­der­set­zung, an der For­mu­lie­rung von Wün­schen, auf bei­den Sei­ten! Bis zur Her­stel­lung des End­pro­duk­tes, der Fahne im ursprüng­li­chen Sinne, des Mas­ter­tapes in der Musik­in­dus­trie, blei­ben die Auf­ga­ben gleich, die nun mal nicht kos­ten­los zu machen sind, wenn gute Qua­li­tät erzielt wer­den soll. Auch ein E-Book recht­fer­tig sei­nen Preis (der von Ange­bot und Nach­frage bestimmt wird). Nicht nur im Druck, son­dern viel­mehr in den Arbeits­schrit­ten zuvor liegt die Wert­schöp­fung. Wenn diese Erkennt­nis wie­der in das Bewußt­sein aller steigt, wird es zu einer befrie­di­gen­den Dis­kus­si­ons­lö­sung kom­men. Auf­ein­an­der zuge­hen und zuhö­ren sind die Schlüs­sel zum Erfolg.

Was mei­nen Sie?

Wir freuen uns über eine anre­gende Dis­kus­sion. Der Meine Ver­lag steht – das zu unse­rer Posi­tion – als inno­va­ti­ver Ver­lag neuen Tech­no­lo­gien und Ände­run­gen offen und inter­es­siert gegenüber.

P. S.: Diese Dis­kus­sion läßt sich dann wei­ter beim Punkt der Preis­bin­dung füh­ren. Aber es ist recht ein­fach zu klä­ren: wol­len wir die Preis­bin­dung als Schutz des beson­de­ren Kul­tur­gu­tes Buch? Wenn ja, ist das E-Book (auch wenn es eine eigene Medi­en­form wäre) auch ein Kul­tur­gut? Soll­ten beide Frage mit Ja beant­wor­tet wer­den, dann gilt für das E-Book auch die Preisbindung.

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01

02 2010

AEON. Forum für junge Geschichtswissenschaft ist online – Bd. 1 (2009) erschienen

Wir sind glück­lich. Wir sind die Her­aus­ge­ber Golo Ley und Has­san Soi­lihi Mzé, die Redak­tion von AEON und natür­lich der Ver­lag. Und glück­lich sind wir dar­über, daß der erste Band von AEON erschie­nen ist: neben dem Edi­to­rial sind seit ges­tern, dem 15. Okto­ber 2009, drei Bei­träge publi­ziert wor­den (eigent­lich ist ers­ter Band als Begriff hoch­tra­bend, aber die Band­zäh­lung von AEON geht vom 15. Okto­ber eines Jah­res bis zum 30. Sep­tem­ber des Fol­ge­jah­res, daher nun Band 1). Als OpenAccess-Zeitschrift sind sie nun für alle Leser kos­ten­los als PDF-Datei erreich– und lesbar.

Ich lade Sie nun herz­lich ein, in AEON zu stö­bern, die Bei­träge zu lesen.

Der Meine Ver­lag bedankt sich recht herz­lich bei den bei­den Her­aus­ge­bern, Golo Ley und Has­san Soi­lihi Mzé, bei der Redak­tion und allen Unter­stüt­zern für ihre Hilfe, Arbeit, Moti­va­tion und wohl­wol­lende Beglei­tung. Wir freuen uns über diese erfolg­rei­che Zusam­men­ar­beit. Es geht weiter!

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16

10 2009

OpenAccess-Tagung im Frankfurter Literaturhaus – Meinungen und Links

In die­ser Woche fand im Frank­fur­ter Lite­ra­tur­haus die Tagung zum “Hei­del­ber­ger Appell” statt, die ers­ten Stim­men dazu sind nun im Netz erschie­nen (auch wenn es wohl ein Wider­spruch zur Hal­tung man­cher Teil­neh­mer sein mag ;-) ). Wir konn­ten daran lei­der nicht teil­neh­men, haben aber inter­es­siert die ver­schie­de­nen Bericht sofort gele­sen. Faßt man die Grund­in­for­ma­tio­nen zusam­men, scheint die Tagung nur eine reale Wider­gabe des Hei­del­ber­ger Appells gewe­sen zu sein: Ver­mi­schung von Begrif­fen, die über­haupt nichts damit zu tun haben; kein Ein­ge­hen auf die Argu­mente der jewei­li­gen Seite; nur eine Schein­dis­kus­sion; Vor­tra­gende, die nur einer Dis­kus­si­on­s­eite ange­hör­ten. Schade!

Unsere Posi­tion zum Hei­del­ber­ger Appell fin­den sie hier.

Es ist Zeit, daß diese Dis­kus­sion nun end­lich pole­misch frei und sach­be­zo­gen geführt wird. Dazu gehört auch eine genaue Anwen­dung der Begriffe causa google, OpenAc­cess und elek­tro­ni­sches Publi­zie­ren! Solange dies nicht geschieht, wer­den sich die Fron­ten verhärten.

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17

07 2009

Heiße Diskussion um den “Heidelberger Appell” – unsere Position dazu

Seit eini­gen Wochen wird auf diver­sen Platt­for­men im Netz und nun auch in den Print­me­dien eine heiße Dis­kus­sion um den “Hei­del­ber­ger Appell” geführt, zu dem wir unsere Gedan­ken auch schon mal aus­ge­führt haben (siehe dazu auch unse­ren Blog­ein­trag vom 14. April 2009). Da nun auch bekannte Poli­ti­ker (Jus­tiz­mi­nis­te­rin Bri­gitte Zypries und Kul­tur­staats­mi­nis­ter Bernd Neu­mann) sich für den “Hei­del­ber­ger Appell” aus­spre­chen und ihn unter­stüt­zen, ist dies für uns ein will­kom­me­ner Anlaß, uns zu die­ser Dis­kus­sion zu positionieren.

Zunächst ist fest­zu­hal­ten, um was es beim “Hei­del­ber­ger Appell” über­haupt geht: hier wird die Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen durch die mas­sive Ein­scan­nung von Büchern durch die Firma Google (causa google) mit einer For­de­rung nach der Frei­heit der Publi­ka­ti­ons­form und dem freien Zugang zu den Ergeb­nis­sen und Fach­ver­öf­fent­li­chun­gen der öffent­lich finan­zier­ten For­schung (Stich­wort OpenAc­cess) ver­mengt. Und an die­ser Stelle liegt die Krux in der Dis­kus­sion. Denn es geht hier um drei ver­schie­dene Dinge, die in einen Topf gewor­fen wor­den sind und nichts mit­ein­an­der zu tun haben. Es erstaunt da schon sehr, daß dies in der Mehr­heit abso­lut unkri­tisch von den Dis­kus­si­ons­teil­neh­mern hin­ge­nom­men wird.

Wie posi­tio­niert sich nun der Meine Ver­lag zu die­ser Diskussion?

  1. Wir wün­schen uns eine genaue und sau­bere Defi­ni­tion und Anwen­dung der Begriffe bzw. Dis­kus­si­ons­punkte Urheberrechtsverletzung/causa google, digi­tale Publi­ka­tion und OpenAccess.
  2. Der Meine Ver­lag spricht sich klar und deut­lich gegen jeg­li­che Form von Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen aus.
  3. Wir sehen sowohl in der digi­ta­len Publi­ka­tion, als auch in der Bewe­gung OpenAc­cess jeweils eine Mög­lich­keit, For­schungs­er­geb­nisse aus der Wis­sen­schaft ver­öf­fent­li­chen zu kön­nen und somit dem For­schungs­dis­kurs zur Ver­fü­gung zu stel­len (aus­führ­lich hierzu unser Blog­bei­trag vom 14. April 2009).
  4. Von einer Wahl­frei­heit der Publi­ka­ti­ons­form kann in der For­schung nicht gespro­chen wer­den. Es beste­hen z. T. mas­sive hier­ar­chi­sche Bar­rie­ren bei Ver­öf­fent­li­chun­gen. Hier sei auf das Bei­spiel ver­wie­sen, daß Dok­to­ran­den nur im gerin­gen Maße über die Form oder den Ver­lag bei der Ver­öf­fent­li­chung ihrer Dis­ser­ta­tion ent­schei­den dür­fen. Viel­mehr wird ihnen sei­tens des Dok­tor­va­ters die Reihe oder der Ver­lag vor­ge­schrie­ben. Wo hat da noch der Dok­to­rand seine Wahl­frei­heit, fra­gen wir uns. Aus Forschungs-, Biblio­theks– und Steu­er­zah­ler­per­spek­tive ist die Emp­feh­lung der DFG, daß Auto­ren den Zugang zu ihren Ergeb­nis­sen aus steu­er­fi­nan­zier­ter For­schung der Gesell­schaft ein­fach macht, rich­tig. Es ist Auf­gabe der Ver­lage, hier ent­spre­chende wirt­schaft­lich funk­tio­nie­rende Publi­ka­ti­ons­mo­delle zu entwickeln.
  5. Wir begrü­ßen eine sach­lich geführte Dis­kus­sion um die Punkte elek­tro­ni­sche Publi­ka­tion und OpenAc­cess, die lei­der mit dem “Hei­del­ber­ger Appell” aber nicht geführt wird.

Letzt­lich bleibt noch anzu­mer­ken, daß die wider­sprüch­li­che Posi­tio­nie­rung des Bör­sen­ver­eins des Deut­schen Buch­han­dels schon erstaunt. Einer­seits wird mit viel Auf­wand und Bewer­bung das Online-Portal “libreka” ein­ge­führt, was nicht nur als Voll­text­su­che für gedruckte Bücher gedacht ist, son­dern viel­mehr auch als Por­tal zum Erwerb von E-Books. Ande­rer­seits wird unkri­tisch jede “Erfolgs­mel­dung” zum “Hei­del­ber­ger Appell” über den News­let­ter und Ticker ver­schickt. Wider­spricht sich denn an die­ser Stelle nicht der Bör­sen­ver­ein sich selbst und unter­stützt damit in letz­ter gedach­ter Kon­se­quenz nicht einen Feld­zug gegen sein eigene Online-Plattform?

Diese Dis­kus­sion um OpenAc­cess und digi­ta­ler Publi­ka­tion darf nicht zu einer Hexen­jagd aus­ar­ten. Damit stellt sich sowohl die For­schungs­ge­mein­schaft, als auch die Buch­bran­che ein eige­nes Bein, wie es die Musik­bran­che vor ein paar Jah­ren schmerz­lich erfah­ren mußte. Denn in den USA sind die Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer schon ein gan­zen Schritt wei­ter, wie das Bei­spiel des Natio­nal Insti­tu­tes of Health (NIH) zeigt (hierzu der Bei­trag von Richard Siet­mann: Hei­del­ber­ger Halali. Streit um OpenAc­cess und Urhe­ber­rechte, in: c’t 10/09).

Wei­tere Informationen

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28

04 2009

“Geld verdienen in digitaler Buchbranche” – ein Einwand aus Verlagssicht

Vor zwei Tagen schrieb Lean­der Wat­tig in sei­nem Blog seine Gedan­ken zum Thema “Geld ver­die­nen in digi­ta­ler Buch­bran­che”. Zusam­men­ge­faßt geht es um die Mög­lich­keit, daß jeder Autor im Zeit­al­ter des Inter­nets, des Web 2.0 und des E-Books sel­ber in der Lage ist, sein Werk unter Aus­schlie­ßung eines Ver­la­ges digi­tal zu ver­kau­fen. Der Autor erstellt den zu ver­äu­ßern­den Inhalt, die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten zur Erstel­lung eines E-Books (in ein­fachs­ter Form als Pdf) und die Ver­brei­tung im Inter­net über­nimmt er zugleich. Wo bleibt dann der Ver­lag? Wo liegt dabei seine Auf­ga­ben und Tätigkeitsfelder?

Im Grunde stimme ich Wat­tig zu, daß dem Autor heute und in Zukunft die Selbst­ver­mark­tung gege­ben ist. Nun kommt von mei­ner Seite das große Aber. Seine Gedan­ken beru­hen auf einer bestimm­ten Vor­aus­set­zung, näm­lich “Wenn wir uns nun also vor­stel­len und beja­hen, dass das Inter­net lang­fris­tig zum abso­lut domi­nie­ren­den Medium wird und Inhalte pri­mär digi­tal vor­lie­gen wer­den, dann reden wir über eine Welt, in der sogar papierne Bücher eher die Aus­nahme als die Regel sein wer­den.” (Lean­der Wat­tig). Hier wird ein Zukunfts­sze­na­rio der papier­lo­sen Welt vor­ge­ge­ben, die mir in ihrer End­gül­tig­keit nicht vor­stell­bar ist. Ich glaube eher, daß beide Vari­an­ten – Papier– und elek­tro­ni­sche Form – geben wird. Gut, nun kann ja der Ein­wand kom­men, daß man mit Digi­tal­druck oder Print-on-Demand auch als Autor preis­wert kklas­si­sche Bücher pro­du­zie­ren kann. Aber dazu benö­tigt der Autor das tech­ni­sche Wis­sen der Her­stel­lung und die Zeit, sich nach dem bes­ten Anbie­ter zu erkun­di­gen. Will er das? Will er diese Inves­ti­tion erbrin­gen? Dazu kommt noch die tech­ni­sche Gren­zen der Her­stel­lung im Bereich Digi­tal­druck und Print-on-Demand bzw. die Nicht­kom­pa­ti­bi­li­tät mit bestimm­ten Wunsch­vor­stel­lun­gen (Papier­aus­wahl etc.). Des­wei­te­ren ist über­haupt der ganze Her­stel­lungs­be­reich in die­ser Dis­kus­sion näher in den Fokus zu rücken, ange­fan­gen von der Typo­gra­phie und dem Satz bis zur Her­stel­lung. Und das ist der Punkt, an dem der Ver­lag in Erschei­nung tritt. Denn was sind die Auf­ga­ben eines Ver­la­ges? Die ange­bo­te­nen Inhalte der Auto­ren (Manu­skripte) auf ihre Qua­li­tät zu prü­fen (Lek­to­rat), sie in eine ange­mes­sene Form zu brin­gen (Kor­rek­to­rat, Satz, Her­stel­lung) und anschlie­ßend zu ver­trei­ben (Buch­ver­kauf). Der Ver­lag kann diese Auf­ga­ben auf­grund sei­ner Erfah­rung, Kom­pe­tenz und Ver­bin­dun­gen am bes­ten bewerk­stel­li­gen. An vie­len Stel­len wird der Autor allein schei­tern: sei es, die ange­mes­sene Form zu brin­gen (wie­viele typo­gra­phi­sche Män­gel sind nicht schon heute in zahl­rei­chen Büchern zu sehen, weil Ver­lage sich die Kos­ten für einen anstän­di­gen Satz spa­ren und die Auf­gabe dem Autor über­las­sen, der dann mit Word an sei­nem Manu­skript her­um­dok­tort????) oder die Kom­pe­ten­zen für den Buch­ver­kauf zu haben, vor allem für Leser, die nicht inter­netaf­fin sind? Ist diese Leser­gruppe nicht am Ende außen vor?

Ich denke, es wird sich eine Mischung erge­ben. Unbe­kannte Auto­ren, die den Weg der Selbst­ver­mark­tung gehen, um Bekannt­heit zu erlan­gen, aber den Zeit– und Arbeits­auf­wand unter­schät­zen und sich schließ­lich doch einen Fach­part­ner, Ver­lag, suchen. Ver­lage dage­gen haben im Inter­net die Mög­lich­keit, zum einen Auto­ren zu ent­de­cken und zu för­dern sowie sel­ber in Koope­ra­tion mit den Auto­ren die Leser mit digi­ta­len Inhal­ten zu gewin­nen. Denn Autor und Ver­lag sind eine Sym­biose und keine Kon­kur­ren­ten, zumin­dest ist das mein Verständnis!

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04 2009

OpenAccess fördert die Wissenschaft!

Chris­toph Drös­ser behan­delt in sei­nem Arti­kel “Das Den­ken ist frei” (DIE ZEIT, 08.04.2009 Nr. 16) sehr gut und leicht nach­voll­zieh­bar die Vor­teile von OpenAc­cess für die Wis­sen­schaft. Eigent­li­cher Aus­gangs­punkt für seine Über­le­gun­gen ist der “Hei­del­ber­ger Appell”, ein Unter­schrif­ten­auf­ruf des Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lers Roland Reuß gegen Google (mas­sive Ein­scan­nung von Büchern, ohne Ver­wer­tungs­rechte an ihnen zu besit­zen) und OpenAc­cess. Mit sei­nem abso­lut lesens­wer­ten Arti­kel weist er noch­mal aus­drück­lich auf die Unter­schei­dung zwi­schen der causa Google und OpenAc­cess hin.

In sei­ner Erklä­rung gegen OpenAc­cess geht Roland Reuß in einem wei­ten Bogen auf die För­de­rung von der Publi­ka­ti­ons­form “OpenAc­cess” durch die DFG, über die Nach­teile von OpenAc­cess für die Auto­ren (angeb­li­che Urhe­ber­recht­s­ein­schrän­kung) bis zur Ver­pflich­tung von Wis­sen­schaft­ler an eini­gen Uni­ver­si­tä­ten (z. B. Zürich), ihre Publi­ka­tio­nen als OpenAc­cess in einer Daten­bank zur Ver­fü­gung zu stel­len, ein.

Beim Lesen des Arti­kels und des Auf­rufs sind mir fahr­läs­sige Benut­zung der Begriffe und Bedeu­tun­gen von OpenAc­cess, Online­pu­bli­ka­tion und Urhe­ber­recht auf­ge­fal­len, beson­ders schlimm im Hei­del­ber­ger Appell. Zunächst ein­mal liegt hier in Deutsch­land das Urhe­ber­recht immer beim Autor. Der Autor ver­gibt Nut­zungs­rechte! Diese begriff­li­che Unter­schei­dung und die genaue Anwen­dung ist in solch einer Dis­kus­sion uner­läß­lich! Wer dar­auf nicht ach­tet, ver­gibt Argu­mente in sei­ner Dis­kus­sion – so auch bei Reuß. Des­wei­te­ren schmeiße bitte kei­ner die Begriffe OpenAc­cess und Online­pu­bli­ka­tion in einen Topf. Es ist nicht ein und das­selbe, son­dern zwei ver­schie­dene Dinge! Online­pu­bli­ka­tion ist eben eine elek­tro­ni­sche Publi­ka­ti­ons­form, für die genau wie für eine gedruckte ein Ent­gelt ver­langt wird. Dage­gen ist bei OpenAc­cess der freie Zugang für Autor und Leser der Haupt­cha­rak­ter. Frei bedeu­tet auch kos­ten­los! Und dies hat viele Vor­teile für die Wis­sen­schaft, vor allem für eine Wis­sen­schaft, die sich durch extreme Spe­zia­li­sie­run­gen und star­ken hier­ar­chi­schen Struk­tu­ren aus­zeich­net. Denn eins wird in der Dis­kus­sion gerne unter den Tisch fal­len­ge­las­sen: es gibt in der Wis­sen­schaft gerade für junge Wis­sen­schaft­ler beim Publi­zie­ren zum Teil enorme hier­ar­chi­sche Bar­rie­ren! An die­sem Punkt setzt OpenAc­cess, in einer ver­nünf­ti­gen Form gegos­sen (Peer review-Verfahren), regu­lie­rend und dis­kurs­för­dernd ein. Der Meine Ver­lag setzt sich mit sei­nem OpenAc­cess–Pro­jekt “Wis­sens­Werk” für die­sen Gedan­ken ein. Wir, die wir selbst als Dok­to­ran­den aus der For­schung ent­stam­men, sind der fel­sen­fes­ten Über­zeu­gung, daß Wis­sen­schaft und For­schungs­dis­kurs eines freie­ren Aus­tau­sches bedarf. Daher enga­gie­ren wir uns mit unse­rem Pro­jekt Wis­sens­Werk. Um Miß­ver­ständ­nis­sen vor­weg vor­zu­beu­gen: OpenAc­cess ist eine von drei Publi­ka­ti­ons­for­men. Natür­lich haben wir als Ver­lag ebenso ein Inter­esse daran, gute Bücher in gedruck­ter oder digi­ta­ler Form zu publi­zie­ren, wobei wir als Ver­lag im Gegen­satz zu man­chen Ten­den­zen in der Bran­che Satz und Lay­out gestal­ten und nicht unse­ren Auto­ren über­las­sen. OpenAc­cess und gedruckte/elektronische Publi­ka­tion hat bei­des seine Exis­tenz­be­rech­ti­gung. Der gol­dene Mit­tel­weg muß gefun­den wer­den und daran betei­li­gen wir uns.

Nach­trag und Aktua­li­sie­rung zur Diskussion

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Antiquariate und Twitter – die neue Symbiose sowie von der Jungfräulichkeit der E-Books

Ges­tern las ich im boersenblatt.net, daß im neuen Heft der Zeit­schrift “Aus dem Anti­qua­riat” ein Bei­trag zu Anti­qua­riate und Twit­ter zu fin­den ist. Web 2.0 und das Han­deln mit gebrauch­ten und alten Büchern. Mensch, da habe ich nicht schlecht gestaunt. Schließ­lich ver­binde ich in mei­nen Gedan­ken Anti­qua­riate per se mit gedruck­tem Papier! Gut, ZVAB und book­looker kenne ich auch, auch schon genutzt. Aber eine Home­page ist ja heute für alle, die das Inter­net wie das täg­li­che Brot nut­zen, über­haupt nichts beson­de­res. Und nun der Schritt wei­ter bei den Anti­qua­ria­ten. Eigent­lich ist das ja kon­se­quent wei­ter­ge­dacht. Denn was spricht gegen eine sol­che Nut­zung? Nichts, oder? Was mei­nen Sie?

Mich brachte diese Vor­stel­lung gleich auf neue “Zukunfts­vi­sio­nen”. Heute ist ja viel­fach von E-Book und elek­tro­ni­schen Publi­ka­tio­nen sowie ihren Ein­fluß auf die Ver­lags– und Buch­bran­che die Rede. Nun stellt man sich mal vor, man wäre 40 bis 50 Jahre in die Zukunft gereist und läuft in der Rit­ter­straße in Leip­zig an den drei Anti­qua­ria­ten vor­bei. Gibt es die noch? Kann man dann da noch hin­ein­ge­hen und in einer Daten­bank nach gebrauch­ten und alten E-Books stö­bern? Ich weiß, eigent­lich ist die­ser Gedanke ver­rückt. Eine elek­tro­ni­sche Publi­ka­tion kann ja nicht altern oder als gebrauchte Vari­ante in der Daten­bank beste­hen. Sie ist sui gene­ris immer eine Jung­frau im Gegen­satz zum Buch, was in sei­nem Buch­le­ben altert. Was wird dann wohl aus den Anti­qua­ria­ten und deren unwi­der­steh­li­che Atmo­sphäre? Wohin flüch­tet der Buch­lieb­ha­ber, um die­sen Duft des geal­ter­ten Buchs ein­at­men zu kön­nen? Viel­leicht kommt es dann ja ganz anders als heute gedacht – gebrauchte E-Books z. B. …

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04 2009