Vorsicht vor der chinesischen Mafia! Kanadakolumne #014

Sams­tag­mor­gen in Kanada: Unser chi­ne­si­scher Ver­mie­ter hat mich schon einige Zeit nicht mehr in mei­nem Bade­hand­tuch über­rascht. Ich frage mich ernst­haft, ob es ihm gut geht und er okay ist. Meine Besorg­nis hält aller­dings nur bis zum fol­gen­den Tag an. Unser Haus­be­sit­zer schleppt näm­lich eine zarte, kleine Chi­ne­sin mitt­le­ren Alters ins Haus und zeigt ihr gedul­dig jeweils ein Zim­mer in allen drei Eta­gen. Nach sorg­fäl­ti­ger Inspek­tion des Hau­ses, wil­ligt die Dame ein und ent­schließt sich zu uns ins Erd­ge­schoss zu zie­hen. Jetzt wo wir ja Nach­barn sind, macht es uns auch über­haupt nichts aus, dass sie neu­gie­rig in unsere Räume lugt und unse­ren Kühl­schrank sorg­fäl­tig inspi­ziert. Gleich am nächs­ten Tag fährt sie mit ihrem knall­ro­ten PKW vor und ver­bar­ri­ka­diert die halbe Ein­fahrt mit Kar­tons, Schlaf­sä­cken und kis­ten­weise Lebens­mit­teln. Auf mei­nem Weg in die Frei­heit frage ich sie erstaunt nach ihrer geplan­ten Auf­ent­halts­dauer. Im flie­ßen­den Eng­lisch mit kla­rer, chi­ne­si­scher Beto­nung ent­geg­net sie: „Ach, nur 2 Tage!“ und baut wei­ter den Ein­gang zu. Als wäre das nicht son­der­bar genug, ver­sucht sie am Abend krampf­haft ihren Lap­top inter­nett­aug­lich zu machen. Da es Pro­bleme gibt, klet­tert sie in unsere kleine Tech­nik­kam­mer und spielt an den Kabeln herum. In mei­ner Fan­ta­sie sehe ich schon eine dicke „Offline-Warnung“ auf MEINEM Lap­top blin­ken.
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08

07 2010

FEUER!!! Kanadakolumne #013

Bereits in der letz­ten Woche stand fest: „Kanada ist ursprüng­lich, natür­lich, offen­her­zig und rie­sen­groß.“ In die­ser Woche muss ich die­ser Fest­stel­lung zwei wei­tere Adjek­tive hin­zu­fü­gen: Kanada ist auch ver­räu­chert und ver­qualmt. Was ich damit meine: Es ist Frei­tag­abend. Conny und ich sit­zen gemüt­lich auf der Couch. Ich stu­diere die dies­wö­chi­gen Supermarkt-Sonderangebote, wäh­rend Cor­ne­lia auf ihrem Lap­top her­um­drückt. Urplötz­lich ertönt aus der Küche ein Schuss. Ent­setzt bli­cken wir uns an, machen dann aber gleich einen unse­rer Mit­be­woh­ner für die­ses Geräusch ver­ant­wort­lich. Wäh­rend ich gewis­sen­haft in der Wer­bung blät­tere und mich hoch kon­zen­triert frage, ob fünf Fla­schen Ketchup inner­halb von zwei Mona­ten zu schaf­fen sind, ent­wi­ckelt die WG-Küche ein Eigen­le­ben. Geschätzte zehn Minu­ten nach dem selt­sa­men Schuss, ertönt näm­lich ein ohren­be­täu­ben­der Feu­er­alarm.
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01

07 2010

Habt ihr Euch etwa verlaufen? Kanadakolumne #012

Die kana­di­sche Juni­sonne scheint mir auf den Kopf und wärmt meine Gedan­ken. Wäh­rend ich so auf der Ter­rasse sitze und über das Thema der dies­wö­chi­gen Kolumne nach­denke, wird mir bewusst, dass es Halb­zeit ist. Nein, nicht beim Fuß­ball! Conny und ich haben nun schon die Hälfte unse­res Aus­tausch­se­mes­ters in Kanada hin­ter uns. Erschre­ckend, wie schnell die Zeit bis­her ver­gan­gen ist. Jeden­falls möchte ich „das Berg­fest“ zum Anlass neh­men, um meine per­sön­li­chen „Kanada-Highlights“ mit Euch zu tei­len. Schon in der letz­ten Woche wurde klar, dass die Abfluss­rohre hier etwas schma­ler sind und zur Papier-Sparsamkeit gera­ten wird. Pas­send dazu, lie­gen die Preise für das Toi­let­ten­pa­pier wesent­lich höher, als bei uns. So haben wir tri­um­phiert, als es heute das 2-lagige „Royale“ für nur 7$ (plus Steu­ern) im Super-Sonderangebot gab. Bis auf die Abfluss­rohre ist sonst (fast) alles ein wenig grö­ßer. So fal­len wir fast wöchent­lich, nach dem Ein­kau­fen, vom Fahr­rad, wenn wir 4-Liter-Milchkanister, XXL-Säfte und Joghurt-Eimer (Son­der­an­ge­bot!), spa­zie­ren fah­ren. Auch die wun­der­schöne Natur ist üppi­ger und urwüch­si­ger, als bei uns. Um eine der ural­ten, rie­si­gen Zedern umar­men zu kön­nen, bedarf es schon ein wenig Arm­gym­nas­tik. Die gigan­ti­schen Kie­fern­ge­wächse errei­chen näm­lich einen Durch­mes­ser von bis zu fünf Metern und sol­len einem Glück brin­gen, wenn man sie lie­be­voll umarmt. Apro­pos lie­be­voll:
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24

06 2010

Sprechen Bären Englisch? Kanadakolumne #011

Geschirr klirrt. Eine Kühl­schrank­tür wird geöff­net und wie­der geschlos­sen. Kaf­fee­was­ser kocht. Lang­sam sto­ßen wir die Tür zur Küche auf und tat­säch­lich ste­hen wir einer frem­den, blon­den Frau gegen­über. Wir haben den Haus­geist ertappt! Nach einem knap­pen Wort­wech­sel steht fest: Unser Gespenst ist völ­lig neben der Spur. Weil wir wis­sen, dass hier Mari­huana geraucht wird, boh­ren wir nicht wei­ter nach und ver­ste­cken uns lie­ber wie­der in unse­ren Zim­mern. Wir stu­fen unser Gespenst den­noch als „unge­fähr­lich“ ein und kön­nen ruhi­gen Gewis­sens auch mei­nen Vater und meine Groß­mut­ter im Geis­ter­haus ein­quar­tie­ren. Diese Woche ist es end­lich soweit: Der bärige Fami­li­en­aus­flug an die West­küste steht bevor. Zunächst gibt es aber andere kolos­sale Hin­der­nisse zu über­win­den:
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17

06 2010

Gespensteralarm!!! Kanadakolumne #010

„Shì“, „bù“, „xiè­xie“ und „nínhǎo“! Ja, ich lerne chi­ne­sisch! Aber nur gele­gent­lich – immer dann, wenn ich mich nicht gerade mit Bärenvermeidungs-Maßnahmen befasse oder auf eng­lisch mei­nen Kaf­fee bei Star­bucks bestel­len muss. Die drei Worte bedeu­ten über­setzt: „Ja“, „Nein“ und „Danke“ und ich habe sie von unse­ren chi­ne­si­schen Freun­den Zhen und Vivian gelernt. Seit dem gemein­sa­men Essen in ihrem Hause, sind wir immer mal wie­der mit ihnen unter­wegs und erfah­ren all­mäh­lich mehr über ihren chi­ne­si­schen Lebens­stil. Zuletzt sind wir gemein­sam auf den Mount Dou­glas (Berg inmit­ten Victoria’s) gewan­dert und haben gepick­nickt. Wenn es einem Chi­ne­sen schmeckt, dann wird gerne ein­mal laut geschmatzt. Für uns eine unge­wohnte Art und Weise, sich für unsere Käse­sand­wi­ches zu bedan­ken. Wie man sich auf chi­ne­sisch rich­tig zupros­tet, müs­sen wir vor­erst nicht ler­nen. Es ist in Kanada ver­bo­ten, in der Öffent­lich­keit Alko­hol zu trin­ken und unser Freund besitzt eine Alkohol-Unverträglichkeit und bekommt beim Trin­ken Aus­schlag und Pus­teln – ein schreck­li­ches Lei­den! Wie er da wohl bei sei­ner Hoch­zeit ange­sto­ßen hat?
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09

06 2010

Wie überlebe ich einen Bärenangriff? Kanadakolumne #009

In der letz­ten Kolumne ist das Thema „Bär“ lei­der viel zu kurz gekom­men. Aus die­sem Grund möchte ich die aktu­elle Kolumne ganz den pel­zi­gen Rie­sen wid­men. Außer­dem bekom­men Cor­ne­lia und ich bald Besuch von mei­ner Fami­lie. Damit möchte ich jetzt aber nicht zum Aus­druck brin­gen, dass meine Fami­lie Ähnlich­kei­ten mit Bären hat. Es geht viel­mehr darum, dass wir mit den Bei­den – mei­nem Vater und mei­ner Groß­mut­ter – einen Aus­flug nach „Tofino“ pla­nen. Das Sur­fer­pa­ra­dies gilt als land­schaft­li­cher Juwel an der West­küste von Van­cou­ver Island und besitzt nicht nur mensch­li­che Ein­woh­ner, son­dern auch tie­ri­sche Mit­bür­ger. Dazu gehö­ren lei­der auch die plü­schi­gen Raub­tiere, vor denen ich mich so fürchte. Damit Cor­ne­lia, mein Vater, meine Oma und ich den Aus­flug unbe­scha­det über­ste­hen, habe ich mich in das Thema „Bären-Sicherheit“ ein­ge­le­sen.
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03

06 2010

Die Kreditkarte kennt den Weg! Kanadakolumne #008

Diese Woche haben wir Besuch bekom­men: Conny’s Freun­din Sil­vana hat den wei­ten Weg aus dem Vogt­land bis an die kana­di­sche West­küste auf sich genom­men, um uns zu sehen. Sie ist auf ihrer wei­ten Reise aller­dings nie allein gewe­sen, denn ihre Kre­dit­karte hat sich als sehr treuer Weg­ge­fährte ent­puppt. Ihren ers­ten Ein­satz hatte die kleine Plas­tik­chip­karte im Duty Free Shop in Mün­chen. Dort musste sie näm­lich eine Fla­sche Rum finan­zie­ren. In Toronto hat die Spi­ri­tuose jedoch für schwa­che Ner­ven und ordent­li­chen Zeit­druck gesorgt, als Sil­vana erfah­ren musste, dass der Alko­hol nicht wie­der mit ins Hand­ge­päck darf. Ihr Kof­fer war schon längst auf dem Weg in das Flug­zeug, sodass der Rum – ver­packt in einem Kar­ton – sepa­rat auf­ge­ge­ben wer­den musste. Zum Glück sind Sil­vana, ihre Kre­dit­karte und der Rum pünkt­lich bei uns in Vic­to­ria ange­kom­men. Bei der Begrü­ßung müs­sen wir aller­dings vor­sich­tig sein, denn Sil­vana hat sich auf dem Inlands­flug zwi­schen Toronto und Vic­to­ria die „Kana­di­sche Rüs­sel­pest“ zuge­zo­gen.
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28

05 2010

Bitte keine Heiratspläne! Kanadakolumne #007

Wahr­heit oder Lüge: Auch Wasch­bä­ren sind wiss­be­gie­rig und trei­ben sich an der Uni­ver­si­tät herum? Wahr­heit! An den ver­gan­ge­nen zwei Wochen­en­den haben Cor­ne­lia und ich einen Work­shop zum Thema: „Wie halte ich eine gute Prä­sen­ta­tion?“ besucht. Bei unse­rem Besuch an der Uni haben wir nicht nur gelernt auf der Bühne und vor dem Publi­kum zu glän­zen, son­dern muss­ten auch erfah­ren, dass wir gar kei­nen Kor­ken­zie­her benö­ti­gen, um Wasch­bä­ren abzu­weh­ren. Genauso wie der erste Bär und alle Kanin­chen auf dem Cam­pus, ist auch die­ses Fell­tier vor uns aus­ge­ris­sen. Solange das auch bei den Grizz­lys in den Rocky Moun­tains funk­tio­niert, steht einem Wild­nis­trip ja nichts mehr im Wege! Zurück zum Thema Wahr­heit oder Lüge.
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20

05 2010

Ein One-Night-Stand mit einem Korkenzieher Kanadakolumne #006

Es ist dun­kel drau­ßen und ein sanf­ter Wind wiegt die Bäume im Gar­ten. In mei­nem Zim­mer brennt noch Licht und ich bli­cke durch die gro­ßen Veran­da­tü­ren in den düs­te­ren Vor­gar­ten und ich genieße die ange­bro­chene Nacht. Im Haus ist es ruhig. Bis auf Cor­ne­lia schei­nen alle Mit­be­woh­ner das Weite gesucht zu haben. Der Ame­ri­ka­ner ist schon vor Wochen aus­ge­zo­gen und der ver­spro­chene Nor­we­ger exis­tiert wahr­schein­lich über­haupt nicht. Urplötz­lich durch­drin­gen zwei Stim­men die Nacht und hau­chen der aus­ge­stor­be­nen WG Leben ein. Eine Män­ner– sowie eine Frau­en­stimme erklim­men die hel­len Holz­trep­pen und dre­hen im Ober­ge­schoss die Dusche an. Zur Lösung die­ses Fal­les, ziehe ich Cor­ne­lia zu Rate. Unsere Ant­wort steht schnell fest: Es gibt ihn doch, den mys­te­riö­sen Nor­we­ger und er hat Damen­be­such. Wochen­lang ist alles ruhig und nun schleppt unser Mit­be­woh­ner gleich einen One-Night-Stand ins Haus. Vor­sichts­hal­ber benutze ich Ohro­pax und genieße erst ein­mal eine ruhige Nacht. Am fol­gen­den Mor­gen kochen Conny und ich Kaf­fee und ver­neh­men Schritte.
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13

05 2010

Bärenalarm im Garten! Kanadakolumne #005

Fünf­ter Mai: Noch immer kei­nen Squash­ball ins Auge bekom­men. Som­mer­fi­gur gleicht aller­dings auch noch der Win­ter­fi­gur. Immer­hin keine Gewichts­zu­nahme. Und das trotz aus­ge­dehn­ter Schlem­mer­abende anläss­lich eines run­den Geburts­ta­ges. (Das Geburts­tags­kind möchte unbe­kannt blei­ben.) Die Fei­er­lich­kei­ten haben wir am ver­gan­ge­nen Mitt­woch mit dem erneu­ten Besuch unse­res Eng­lisch­kur­ses in der Innen­stadt ein­ge­lei­tet. Der Unter­richt ist gra­tis, weil ange­hende Leh­rer sich an uns Fremd­sprach­lern aus­pro­bie­ren. Dazu gehö­ren – bis auf uns – nur Asia­ten. Wir sit­zen also auch diese Woche wie­der brav im Klas­sen­zim­mer und bil­den den blon­des­ten Farb­tup­fer im Raum. Weil unsere Mit­schü­ler so lebens­froh und auf­ge­schlos­sen sind, gehen wir mit „Akino“ und „Kana“ im Anschluss an den Kurs in unsere gemüt­li­che Tapa-Bar. Akino und Kana sind zwei freund­li­che Japa­ne­rin­nen, die zum Stu­die­ren bzw. Arbei­ten nach Kanada gekom­men sind. Ihr Eng­lisch ist auf ähnli­chem Niveau wie unse­res und wir kön­nen uns super ver­stän­di­gen. Wir essen mexi­ka­ni­sche Chips und Oli­ven und genie­ßen dazu einen spa­ni­schen Weiß­wein. Das war aller­dings nur der Anfang.
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06

05 2010