Posts Tagged ‘Bahnkolumne’

„Verzögerungen im Betriebsablauf …“ Der tägliche BAHNsinn #008

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Anar­chie

Jeder der öfters Bahn fah­ren darf, lernt im Laufe der Zeit die gehei­men Spiel­re­geln die­ses Unter­neh­mens ken­nen. Diese wer­den impli­zit über gewisse Erfah­rungs­werte bei der Reise ver­mit­telt. Grob umris­sen kann man diese Rege auf ein gro­ßes Haupt­ge­bot her­un­ter­bre­chen:
„Du sollst Dich schwarz­är­gern, wenn die Bahn mal wie­der Mist gebaut hat.“
Eine sim­ple Rege­lung, die den All­tag mit der Bahn in eine klare Rich­tung lenkt: Nur ein toben­der Fahr­gast ist ein guter Fahr­gast.
Bei­spiele? Ein Zug hat 60 Minu­ten Ver­spä­tung, eine Durch­sage ver­kün­det, dass die Ein­fahrt des Zuges sich wei­ter ver­zö­gert. Ein Fahr­gast – augen­schein­lich ein gesit­te­ter Geschäfts­mann – pfef­fert seine Akten­ta­sche auf den Boden und mach sei­nem Ärger mit aller­lei Beschimp­fun­gen laut Luft. Ein DB-Mitarbeiter in 100 Meter Luft­li­nie lächelt zufrie­den in sich hin­ein: „Bra­ver Fahr­gast, so ist es recht, lass es raus!“
Nun gut, klare Regeln also.
Was wäre aber nun, wenn ein Fahr­gast diese hei­li­gen Regeln miss­ach­ten würde? Was wäre, wenn das Sakri­leg der Unpünkt­lich­keit mit Freund­lich­keit und Freude besu­delt würde?
Man stelle sich das ein­mal so vor: Der wütende Geschäfts­mann würde urplötz­lich in Hosi­an­na­aus­ru­fen umschwen­ken, glück­lich zum DB-Mitarbeiter hüp­fen, ihn umar­men und sich bedan­ken (ganz ohne iro­ni­schen Unter­ton natür­lich).
Oder fol­gende Situa­tion: Ein Fahr­gast würde den Schaff­ner auf­su­chen und sich bei ihm bedan­ken, das die Toi­lette mal wie­der defekt sei – ohne die­sen Umstand wäre er nie von sei­ner Inkon­ti­nenz geheilt wor­den. Preist die Bahn!
Oder wenn ein DB-Mitarbeiter mal wie­der so rich­tig schön unfreund­lich ist – ein aner­ken­nen­des Lob des Fahr­gas­tes für das Pflicht­be­wusst­sein die­ser Per­son, man habe sich diese Maß­re­ge­lung auch wirk­lich ver­dient!
Ja, die Gesich­ter der Schaff­ner, Ser­vice­mie­zen und ande­rer DB-Organe würde jeder gern mal sehen. Wahr­schein­lich würde unter ihnen Panik aus­bre­chen: Anar­chie! Die Fahr­gäste machen was sie wol­len! Viel­leicht würde der ein– oder andere DBler auch ver­zwei­felt auf Knien fle­hend den Fahr­gast bit­ten, ihn doch wenigs­tens ein klit­ze­klein­we­nig zu beschimp­fen, oder er solle doch wenigs­tens grim­mig drein­schauen. All diese seli­gen, beschei­den glück­li­chen Fahr­gäste, für die das Glas Sekt halb voll ist, wür­den die DB an den Rand des Wahn­sinns trei­ben.
Viel­leicht – mal wie­der eine These – ist die Bahn ja ein als Ver­kehrs­mit­tel getarn­tes Unter­neh­men von Sadis­ten, die Zug­ver­spä­tun­gen und andere Unan­nehm­lich­kei­ten dazu nut­zen, ihrem Fai­ble nach­zu­ge­hen, ihre Lust aus­zu­le­ben? Statt anonym im Dun­kel zwie­lich­ti­ger Clubs schlei­chend sich aus­zu­le­ben, kön­nen DB-Mitarbeiter hoch­of­fi­zi­ell in Uni­form (sic!) ihrer Lei­den­schaft frö­nen – ob aktiv oder eher pas­siv, für jeden ist etwas dabei.

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02

11 2009

„Verzögerungen im Betriebsablauf …“ Der tägliche BAHNsinn #007

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Sorry is the har­dest word

Schon als Kind bekommt man die wesent­li­chen und wich­tigs­ten Dinge, die für ein fried­li­ches und mög­lichst kon­flikt­freies Zusam­men­le­ben in einer Gesell­schaft wich­tig sind, beige­bracht: Hand vorm Mund beim Gäh­nen! Ellen­bo­gen run­ter vom Tisch! Zäh­ne­put­zen mor­gens und abends! Und dass man, sollte man ein­mal einen Feh­ler bege­hen, sich zu ent­schul­di­gen hat. Ein ein­fa­ches Prin­zip, wel­ches dem­je­ni­gen, der von dem Fehl­ver­hal­ten betrof­fen ist, zei­gen soll, dass der Feh­ler ein­ge­se­hen wurde und nun Reue oder zumin­dest ein Ein­ge­ständ­nis in das Fehl­ver­hal­ten vor­liegt.
Die Deut­sche Bahn kennt das Wort Ent­schul­di­gung nicht. Nie, nie, nie hat jemals ein Bahn­mit­ar­bei­ter sich ehr­lich ent­schul­digt, oder das „E-Wort“ in den Mund genom­men. Die Züge haben Verspätung? – Na und? Halb Ber­lin steht still dank Notfallfahrplan? – Die sol­len nicht so jam­mern. Die Zug­toi­lette ist nach 5 Stun­den Zug­fahrt defekt? – Wir müs­sen hier alle die Backen zusam­men­knei­fen. Oder es ist mal wie­der nicht die Schuld des Bahn­mit­ar­bei­ters, warum sollte er sich dann für die Bahn ent­schul­di­gen? Sollte im Zug doch mal eine Durch­sage nötig wer­den, da der ICE wie­der seit Stun­den mit­ten auf der Stre­cke steht – und die Fahr­gäste schon zu einem toben­den Mob gewor­den sind – braucht der werte Fahr­gast keine Ent­schul­di­gung erwar­ten: „Wir bit­ten um Ver­ständ­nis für die Ver­zö­ge­rung …“ Ver­ständ­nis? Wie soll ein gesun­der Mensch Ver­ständ­nis für all diese Feh­ler der DB auf­brin­gen kön­nen ohne dabei krank an Kör­per und Seele zu wer­den?
Nie­mand der Fahr­gäste hat jemals irgendwo, irgend­wie Ver­ständ­nis für irgend­et­was, was die DB mal wie­der ver­zapft hat, denn wie soll man 90 Minu­ten Ver­spä­tung ver­ständ­nis­voll begeg­nen, ohne dass weder eine Ent­schul­di­gung, geschweige denn eine wahr­heits­ge­mäße Begrün­dung für die Ursa­che die­ser Ver­spä­tung gehört hat?
Als Kind hat man, wenn man mal wie­der etwas aus­ge­fres­sen hat und sich nicht ent­schul­digte, ordent­lich Schimpfe bekom­men und so sind aus uns allen ordent­li­che Mit­men­schen gewor­den.
Viel­leicht fehlt der DB eine große Mut­ter, die mit beleh­ren­dem Zei­ge­fin­ger der Bahn Manie­ren bei­bringt. Ich sollte in die­ser Sache mal Frau Mer­kel kon­tak­tie­ren; irgend­et­was sagt mir, dass ich da an der rich­ti­gen Adresse bin!

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10 2009

„Verzögerungen im Betriebsablauf …“ Der tägliche BAHNsinn #006

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Ein Ame­ri­ka­ner auf gro­ßer Tour – Teil 2 (was bis­her geschah)

Und so stieg unser ame­ri­ka­ni­scher Freund in den ihm emp­foh­le­nen Zug im fes­ten Glau­ben, dass die zuver­läs­sige Mit­ar­bei­te­rin der Deut­schen Bahn ihm das rich­tige Ticket für das rich­tige Rei­se­ziel aus­ge­stellt hatte.
Doch je län­ger die Zug­fahrt dau­erte, desto mehr beschlich ihm das Gefühl, dass doch irgend­et­was nicht stim­men konnte. Er hatte gedacht [Biete­feldt] wäre nicht so weit weg von Ber­lin, aber viel­leicht war [Gör­män­niee] ja auch grö­ßer als er dachte? Er fragte zur Sicher­heit die Schaff­ne­rin, ob dies der Zug nach [Biete­feldt] sei. Die Schaff­ne­rin – mal wie­der schwer im Stress – hörte nur mit einem Ohr hin: „Bie­le­feld? Next Halt aus­stei­gen!“
Armer Dave, wenn er wüsste! Als er beim nächs­ten Halt aus­stieg, wusste er, dass etwas nicht stim­men konnte. Man hatte ihm doch gesagt [Biete­feldt]  wäre ein­klei­ner Bahn­hof, aber wo er sich nun befand, war der Bahn­hof gar nicht so klein… Es gab nur zwei Mög­lich­kei­ten: Ent­we­der die Deut­schen waren sehr beschei­den – oder er war falsch. Er fragte einen Mann am Bahn­steig: Is this [Biete­feldt]?“ und zeigte ihm den Zet­tel mit dem Namen. Der Mann las den Zet­tel, bekam große Augen und schaute Dave mit­leids­voll an. Da er aber kein Eng­lisch konnte, war es ihm unmög­lich, unse­rem Ami zu erklä­ren, was pas­siert war. Des­halb stand ein Ami nun völ­lig hilf­los am Bahn­steig. Er ent­schied sich erneut ein Ver­such an einem Ser­vice­point zu machen: „Hello, is this really [Biete­feldt]?“ „Jaja, dass hier ist Bie­le­feld!“ Dave stockte, Moment [Biete­feldt]? „No, no I want to [Biete­feldt]!“ Er brach sich fast die Zunge, ent­schied sich erneut sei­nen Zet­tel zu zücken und zeigte ihn der Dame am Ser­vice­point. Die wurde blass, rang um Fas­sung und sagte dann so streng sie konnte (denn dies war ja ihre Auf­gabe): „Sie sind hier ja völ­lig falsch! Sie wol­len nach Bit­ter­feld, aber hier ist Bie­le­feld!“ Dave schwante Böses. Wie weit wohl diese ähnlich klin­gen­den Orte von­ein­an­der ent­fernt waren?
Im Ser­vice­cen­ter sollte er dies nun erfah­ren: Bie­le­feld und Bit­ter­feld sind mit der Bahn in 4:38h und 3 x umstei­gen zu errei­chen.
Armer, armer Dave… er hatte gedacht, die [Gör­maan Baan] wäre so great?! Sein Glaube war jedoch uner­schüt­ter­lich. Und so setzte er sich 4:38h lang in aller­lei Tingel-Regionalbahnen, sah aller­lei kleine Orte, zer­fal­lene Bahn­höfe und ver­dreckte Züge.
End­lich, end­lich kam unser Holz­pa­nel­ver­käu­fer in Bit­ter­feld an und wurde von einem deut­schen Kol­le­gen abge­holt. Nichts­ah­nend fragte er Dave: „How was your jour­ney?“ „It was great!“ Erstaunt wollte der Deut­sche wis­sen, was so toll an der Bahn sei und Dave sagte: „With [Gör­maan Baan] you can go anywhere!“

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05

10 2009

„Verzögerungen im Betriebsablauf …“ Der tägliche BAHNsinn #005

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Ein Ame­ri­ka­ner auf gro­ßer Tour (Teil 1)

Es war ein­mal ein net­ter Ame­ri­ka­ner. Nen­nen wir ihn Dave. Dave ver­kauft Holz­pan­ele und ist Ver­tre­ter für eine der füh­ren­den Holz­pan­ele­fir­men der Welt stets auf Rei­sen. Und so kam es wie es kom­men musste: Dave reiste nach Ger­many [Gör­mä­nie] um mit der Deut­schen Bahn [Doitsch-ö-Baan] zu rei­sen. Er hatte schon viel gehört: kor­rekt, immer pünkt­lich und ordent­lich, so ist es in Ger­many [Gör­mä­nie]. Und ganz genau das dachte er auch von der Deut­schen Bahn [Görman-Baan]. In die­sem kind­li­chen Glau­ben reiste unser ame­ri­ka­ni­scher Freund mit Luft­hansa nach Deutsch­land und betrat dann einen Ser­vice­cen­ter der Deut­schen Bahn. „Ser­vice cen­ter sounds alre­ady great“ dachte er.
Als er end­lich an die Reihe kam, sagte unser Dave: „Hello, I want to jour­ney to [Biter­feld]“ und zeigte dann auch noch einen Zet­tel, auf dem er das Rei­se­ziel schrift­lich ste­hen hatte. Die DB-Dame machte sich nichts aus Amis und der Zet­tel küm­merte sie auch nicht. Sie hörte nur „Bie­le­feld“ und erschrak: „Ja, aber der Zug nach Bie­le­feld fährt ja gleich ab!!“ Dave ver­stand kein Wort. Da alle Mit­ar­bei­ter natür­lich eine aus­ge­zeich­nete Aus­bil­dung in eng­lisch erhal­ten haben (Ach­tung [Eiro­nie]), brach sich unsere DB-Dame fast die Zunge bei den Wor­ten: „In five minu­tes!!“ Dave erschrak! Er würde den pünkt­li­chen Zug ver­pas­sen. Doch die DB-Dame druckte ihm schnell ein Ticket aus und schickte unse­ren Freund zum Gleis 11. Dort fragte Dave sich, ob es denn wirk­lich der rich­tige Zug sei, doch er war ja bei der [Ger­man Baan], es konnte ja nichts passieren …

Fort­set­zung folgt!

Update: Zur Fort­set­zung

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29

09 2009

„Verzögerungen im Betriebsablauf …“ Der tägliche BAHNsinn #004

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Bahn­a­li­tä­ten

Mach­mal sind es eben die klei­nen, sim­plen Dinge, die die Bahn vor die größ­ten Pro­bleme stellt, wel­che sie je erlebt hat. So gesche­hen vor Kur­zem im Ser­vice­cen­ter irgendwo im gro­ßen Bahn­re­gi­ments­ge­biet Deutschland.

Es fing eigent­lich ganz harm­los an, da würde kein Bahn­mit­ar­bei­ter je etwas Böses ahnen: Ein Mann betritt das Rei­se­zen­trum. Er zieht sein Nüm­mer­chen, was den Mit­ar­bei­tern prin­zi­pi­ell schon gut gefällt. Nach einer unwe­sent­lich lan­gen War­te­zeit wird die Num­mer des Herrn auf­ge­ru­fen. Nun nimmt die Kata­stro­phe ihren Lauf, das Schick­sal schlägt unbarm­her­zig zu. Der Herr schil­dert der Dame am Schal­ter, dass er eine Reise nach Frank­furt unter­neh­men möchte. Die Bahn­mit­ar­bei­te­rin geht ihrer Pflicht nach und gibt das Rei­se­ziel in das Inter­face ein. Noch läuft alles in den gewohn­ten Struk­tu­ren der Bahn­mit­ar­bei­te­rin ab, doch als sie den Mann fragt, wann er denn die Reise machen möchte, gerät ihre Bahn­welt ins Wan­ken. Der Rei­se­wil­lige sagt näm­lich: „Keine Ahnung. Das ist mir prin­zi­pi­ell egal, denn ich bin fle­xi­bel. Sagen sie mir doch ein­fach, wann ich viel­leicht einen Spar­preis bekomme!“ Der Bahn­frau fällt der weiß-rote DB-Stift aus der Hand, ihr Mund öffnet und schließt sich laut­los, wäh­rend ihr Kopf krei­de­weiß wird. Der Mann kann doch nicht ein­fach nicht sagen wann er fah­ren will! Das ist eine Unver­schämt­heit ohne Maßen, will ihre Mimik sagen. Jeder der ihr bis­her unter die Augen gekom­men ist, wusste, wann er fah­ren wollte, ja selbst das Pro­gramm mit dem sie arbei­tet dul­det die Nicht­ein­gabe eines Rei­se­da­tums nicht! Jeder muss doch wis­sen, wann er irgendwo zu sein hat, die Deut­sche Ord­nung wird von die­ser unver­fro­re­nen Per­son unter­wan­dert. Nun kocht es in der DB-Frau, sie muss dem Herrn leh­ren, dass man die Prin­zi­pien der DB nicht so ein­fach mit Füßen tre­ten kann: „Aber das geht doch nicht, sie müs­sen doch wis­sen, wann sie ver­rei­sen wol­len!“ „Nein, wann bekomme ich denn einen Spar­preis?“ „Also so geht das wirk­lich nicht, so kann man doch nicht arbei­ten! Das ist ja eine Frech­heit, wann wol­len Sie denn nun fah­ren?!“ kreischt unsere ver­zwei­felte Ser­vice­cen­ter­mit­ar­bei­te­rin. Dem Kun­den ist die Ver­wun­de­rung über die Reak­tion anzu­se­hen. Doch kennt man die­sen Ton ja schon von der Bahn, daher zuckt er mit den Schul­tern und sagt leise: „Ich will doch ein­fach nur nach Frankfurt!“

Tja, oft sind es diese „Bahn­a­li­tä­ten“, die uns an die Gren­zen der deut­schen Bahn her­an­füh­ren und plötz­lich beneh­men sich Erwach­sene DB-Mitarbeiter wie Dritt­kläss­ler: „Aber Mul­ti­pli­zie­ren hat­ten wir noch nicht! Das kann ich nicht!“ Das wäre über­haupt die Lösung: Nach­sit­zen für alle DB-Mitarbeiter.

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21

09 2009

„Verzögerungen im Betriebsablauf …“ Der tägliche BAHNsinn #003

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Das Infor­ma­ti­ons­de­fi­zit

Wer die Bahn­mit­ar­bei­ter bei ihrer Arbeit ein­mal genauer beob­ach­ten konnte, wird sicher fest­ge­stellt haben, dass jeder von ihnen aller­lei Infor­ma­ti­ons­quel­len mit sich führt – da sind Heft­chen mit Fahr­zei­ten, Com­pu­ter, Nokia-Comunicators, Anzei­ge­ta­feln, die­ses mobile Fahr­kar­ten­ti­cket­ge­rät (ich muss unbe­dingt noch her­aus­fin­den, wel­chen pro­fes­sio­nel­len Namen die­ses Gerät trägt!). Und, und, und. Da erstaunt es doch sehr, wie wenig die Bahn­mit­ar­bei­ter am Ende doch wis­sen. Schein­bar ist der Spruch: „Man muss nicht alles wis­sen, man muss nur wis­sen wo es steht“ in Bahn­krei­sen nicht bekannt.

Wie kann es sein, dass man als Fahr­gast von den Mit­ar­bei­tern der DB kei­ner­lei Infor­ma­tio­nen bekommt? Wo fährt der Zug ab? – „Keine Ahnung.“ Wieso hat der Zug Ver­spä­tung? – „Mir lie­gen keine Infor­ma­tio­nen vor.“ Wel­cher Zug fährt nach X? – Woher soll ich das wis­sen?“ Wie­viel Ver­spä­tung hat der Zug? – „Nicht bekannt.“ Die Liste ist end­los fort­zu­set­zen. Trotz der Kampf­aus­stat­tung wie bei der Eli­te­ein­heit GSG9 ist die Effek­ti­vi­tät der Bahn­mit­ar­bei­ter die eines Zinnsoldaten.

Inter­es­san­ter Weise ermög­li­chen die Tech­ni­ken des 21. Jahr­hun­derts es den Fahr­gäs­ten den Bahn­mit­ar­bei­tern in Sachen Infor­ma­tion um Län­gen vor­aus zu sein. So ist es nicht wei­ter ver­wun­der­lich, dass der Fahr­gast z.B. dank des „Haltestellen-Apps“ für das iPhone von einer 15minütigen Ver­spä­tung mit Gleis­wech­sel weiß, bevor der Bahn­mit­ar­bei­ter auch nur jemals etwas von die­sem Zug gehört hat. Und so leben die DB-Mitarbeiter im dunk­len Loch des Infor­ma­ti­ons­de­fi­zits, ohne dabei den Drang zu ver­spü­ren, die­ses Defi­zit mit­tels der vie­len Beschaf­fungs­mög­lich­kei­ten auszumerzen.

Viel­leicht ist es aber auch nur ein Trick, der Deut­schen Bahn uns zu mün­di­gen Fahr­gäs­ten zu erzie­hen?! Statt wie hilf­lose Schafe am Bahn­hof umher­zu­ir­ren, sol­len wir ler­nen die „Zei­chen“ zu erken­nen und die Infor­ma­ti­ons­of­fen­bah­rung zu erle­ben. Aber was dann, wenn wir alle wis­sen, dass wir den Anschluss­zug mal wie­der nicht krie­gen wer­den, aber um 20:08 Uhr Gleis 4 der nächste Zug für uns bereit steht? Wer braucht dann noch Schaff­ner, Ser­vice­per­so­nal und Co.? Viel­leicht ist das der Tag, an dem uns der Him­mel auf den Kopf fällt, so ganz ohne Opfer an dem man als Fahr­gast sei­nen Unmut über die Bahn los wer­den kann…

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09 2009

„Verzögerungen im Betriebsablauf …“ Der tägliche BAHNsinn #002

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Die Kom­pet­zenz­hütte

Jeder der schon mal die Freude hatte, mit der Bahn zu rei­sen, hat auch den soge­nann­ten Ser­vice­point ken­nen ler­nen dür­fen. Grund­sätz­lich ist es ja keine schlechte Idee, eine Art Rezep­tion im Bahn­hof zu schaf­fen, damit man als Fahr­gast schnell eine Infor­ma­tion bekommt.

Soviel zur Theo­rie. Aber die Deut­sche Bahn wäre nicht die Deut­sche Bahn, wenn sie nicht eine prin­zi­pi­ell gute Idee in ein völ­lig sinn­be­frei­tes, fahr­gast­quä­len­des und ver­är­gern­des Ele­ment des Bahn­ap­pa­rats umwan­deln würde. Um die­ses hoch­ge­steckte Ziel zu errei­chen, hat man in diese klei­nen Hüt­ten im Bahn­hof gezielt die mög­lichst unfreund­lichs­ten, inkom­pe­ten­tes­ten, ahnungs­lo­ses­ten, schmerz­be­frei­tes­ten und lei­der häu­fig auch unan­sehn­lichs­ten Mitarbeiter/innen gesetzt.

Deren ein­zige Auf­gabe besteht nun darin Hil­fe­su­chende Fahr­gäste grau­sam abzu­wei­sen, die Her­aus­gabe von Infor­ma­tio­nen gezielt zu ver­wei­gern, stets grim­mig drein zu schauen und – wenn es ein guter Tag ist – auch mal einen Fahr­gast an die Bahn­hofs­po­li­zei „wei­ter­zu­lei­ten“. Wie oft hat man als Fahr­gast das Gefühl in die­sem Häus­chen sitzt die geballte Kom­pe­tenz der Bahn. Tag für Tag schaf­fen es diese tap­fe­ren Mit­ar­bei­ter die Werte und die Moral der DB mit wehen­der Flagge hoch­zu­hal­ten. Koste es was es wolle. Ein Roll­stuhl­fah­rer fragt wie er zum Gleis 10 kommt, wenn dort der Fahr­stuhl mal wie­der defekt ist? Deut­sche Bahn Kom­pe­tenz­hüt­ten­hand­buch gezückt: Para­graph 478 Absatz 6 b: Es ist Ange­le­gen­heit des Fahr­gas­tes wie er zum Gleis gelangt. Pro­blem gelöst: Der Roll­stuhl­fah­rer ist nicht unser Pro­blem. Ein alter Mann hat die Durch­sage nicht ver­stan­den, dass der Zug heute nicht von Gleis 2 abfährt, son­dern von Gleis 5? Deut­sche Bahn Kom­pe­tenz­hüt­ten­hand­buch gezückt: Para­graph 1078 Absatz 4 : Wenn der Rei­sende den Wei­sun­gen der Laut­spre­cher­durch­sa­gen nicht Folge leis­tet, ist er unver­züg­lich vom Bahn­hofs­ge­lände zu ent­fer­nen. Pro­blem gelöst!

Ach, es ist irgend­wie ein beru­hi­gen­der Gedanke, dass da immer jemand in der Kom­pe­tenz­hütte sitzt der bei jedem Pro­blem für mich ein offe­nes Ohr hat und mir noch mehr Pro­bleme macht!

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08 2009

„Verzögerungen im Betriebsablauf …“ Der tägliche BAHNsinn #001

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„Da kann ich aber nix dafür“

Der liebste und am häu­figs­ten ver­wen­dete Satz eines Bahn­mit­ar­bei­ters ist: „Da kann ich aber nichts dafür! Da müs­sen sie sich an die ent­spre­chen­den Stelle wenden.“

Noch kei­ner der armen See­len die täg­lich mit der Bahn pen­deln, hat diese Stelle jemals ken­nen gelernt. Ein wenig wirkt diese Beschwer­de­stelle wie eine höhere Macht. Sie ist ver­ant­wort­lich für alles, sie soll uns Trost spen­den und sie soll uns Bes­se­rung brin­gen, doch nichts davon pas­siert jemals.

Ist die Bahn viel­leicht eine kirch­li­che Insti­tu­tion? Dann sollte sie noch ganz schell das Prin­zip der Nächs­ten­liebe ver­in­ner­li­chen. Wie oft ste­hen Bahn­mit­ar­bei­ter und Fahr­gäste glei­cher­ma­ßen ahnungs­los am Gleis (dem rich­ti­gen Gleis?), nicht im Wis­sen, ob der Zug nun kommt oder nicht. Doch der Fahr­gast kann keine Hilfe von den Bahn­mit­ar­bei­tern erwar­ten. Mit all sei­nem Gepäck hievt er sich die Trep­pen hinab oder hin­auf (der Fahr­stuhl ist mal wie­der defekt), durch den gesam­ten Bahn­hof zum Ser­vice­point, um dort end­lich eine Infor­ma­tion zu bekommen.

Doch auch dort am Ser­vice­point (dazu dem­nächst mehr) weiß mal wie­der kei­ner etwas und die Ent­schul­di­gung lau­tet: „Dafür kön­nen wir ja nichts! Da müs­sen sie sich an ent­spre­chen­der Stelle beschwe­ren!“ Dies ruft oft Wut und Ver­zweif­lung bei dem armen Tropf von Fahr­gast auf und die Ser­vice­mit­ar­bei­ter sind extrem ver­wun­dert, warum die­ser Mensch denn nun die Con­ten­ance ver­liert. Die­ser Fahr­gast nun, schleppt schwit­zend seine Kof­fer zurück zum Gleis, durch den gesam­ten Bahn­hof, die Trep­pen hin­auf und … sieht die Rück­lich­ter sei­nes Zuges. Der Bahn­mit­ar­bei­ter der mit ihm am Gleis stand und ein­fach mal wie­der nichts getan hat, schaut sich den armen Kerl an, zuckt mit den Schul­tern und sagt: „Da kann ich aber nichts dafür!“

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08 2009