Posts Tagged ‘Diskussion’

Online, offline: Welche Publikationsform ist wichtiger?

Seit gerau­mer Zeit stoße ich immer wie­der auf ein Thema, was in zahl­rei­chen Dis­kus­sio­nen ange­ris­sen wird, aber kaum mal kon­zen­triert bespro­chen wird. Es ist die Frage nach dem Bedeu­tungs­un­ter­schied zwi­schen klas­si­scher Print– und der (moder­ne­ren) Online­pu­bli­ka­tion. Ohne Zwei­fel ist es in der Ver­lags­bran­che und im Wis­sen­schafts­be­trieb seit gerau­mer Zeit zu einer mas­si­ven Ver­än­de­rungs­be­we­gung gekom­men: als Stich­worte sol­len hier Digi­ta­li­sie­rung, E-Book und Open Access genannt wer­den. Gleich­zei­tig tref­f­eich in ver­schie­de­nen Gesprä­chen mit Fach­kol­le­gen aus der Wis­sen­schaft (gut, es sind bei mir i. d. R. His­to­ri­ker oder andere Geis­tes­wis­sen­schaft­ler) auf Beden­ken, Unkennt­nis und einer – indi­rek­ten  – Abwer­tung von Online­pu­bli­ka­tio­nen. Ähnli­ches wird in dem Arti­kel von Samuel Schläfli zur Akzep­tanz von Open Access ange­deu­tet, den ich hier schon mal gepos­tet in einem ande­ren Zusam­men­hang gepos­tet habe. Für beide Pubil­ka­ti­ons­ar­ten sind die Vor– und Nach­teile bekannt: Online­ver­öf­fent­li­chun­gen, vor allem im Open Access-Format, fin­den eine bes­sere und schnel­lere Ver­brei­tung, kön­nen bes­ser rezi­piert wer­den und för­dern den For­schungs­dis­kurs. Ande­rer­seits bie­tet der klas­si­sche Druck hap­ti­sche Vor­teile bei der Bear­bei­tung von Tex­ten (mar­kie­ren, strom­u­n­ab­hän­gig, man “besitzt” es eben, bis­her auch eine gege­bene Akzep­tanz). Was ich mich frage ist, warum wird die­ser Unter­schied in der Wer­tung von Publi­ka­ti­ons­ar­ten immer noch gemacht? Ich habe in bei­den For­men Auf­sätze publi­ziert und emp­fand online für den Grad der Ver­brei­tung wesent­lich nütz­li­cher. Was sind die Gründe dafür und in wel­chen Berei­chen (denn ich denke, daß eine dem Ver­wen­dungs­zweck ange­paßte Publi­ka­ti­ons­form die “Ide­al­lö­sung” wäre) wären die unter­schied­li­chen Arten geeig­net? Was mei­nen Sie dazu?

Diskussion: sind E-Books eine eigene Medienform?

In den letz­ten Mona­ten ent­wi­ckelte sich um E-Books und ihre Bedeu­tung für die Ver­lags– und Medi­en­bran­che eine heiße Dis­kus­sion. Auf­trieb erhielt sie durch die Vor­stel­lung des iPads, dem u. a. Lese­ge­rät für E-Books von Apple. Der Grund­ton in der Dis­kus­sion ist, daß sich hier für Ver­le­ger neue Geschäfts­mo­delle auf­tun, die sie auf­grund ihrer kon­ser­va­ti­ven, wenig beweg­li­chen und behar­ren­den Ein­stel­lung ver­spie­len. War­nun­gen, es wird der Ver­lags­bran­che dann wie der Musik­in­dus­trie bei Bei­hal­tung die­ser Posi­tion erge­hen, sind nicht zu über­hö­ren. Ohne Zwei­fel gibt es diese Posi­tion. Gleich­zei­tig ver­su­chen nicht wenige Ver­lage, mit diver­sen Model­len diese Sparte zu bedie­nen. Und nun fan­gen die Pro­bleme, die Unsi­cher­hei­ten, die ver­schie­de­nen Erwar­tun­gen, die auf­ein­an­der pral­len, an. Unter­schied­lich kon­fi­gu­rierte, zumeist jetzt noch für die All­ge­mein­heit arg über­teu­erte End­ge­räte ste­hen diver­sen For­ma­ten gegen­über. Dabei spielt die Rech­te­ver­wal­tung eine nicht zu unter­schät­zende Rolle. Wei­tere Pro­blem­fel­der sind die Preis­ge­stal­tung: zu teuer rufen die einen, weni­ger geht nicht rufen die ande­ren. Und wie kommt das E-Book zum End­kun­den? Die Rolle als zen­trale Platt­form füllt libreka! (vom Bör­sen­ver­ein des deut­schen Buch­han­dels gelei­tet) nicht aus, bekannte, von der Masse der Leser (die es ja so noch nicht gibt) Alter­na­ti­ven gibt es – zumin­dest in Deutsch­land – noch nicht. Dies wird sich wohl mit dem iBook-Store von Apple ändern.

Das Grund­pro­blem beim E-Book ist:

1. Die Dis­kus­sion geht von der klas­si­schen Publi­ka­tion aus. Alle Argu­mente, Vor­stel­lun­gen und Ideen bezie­hen sich auf ein klas­si­sches Pro­dukt, wel­ches eben nun elek­tro­nisch ist. Das ist der fal­sche Ausgangspunkt.

2. Erschließt sich aus 1. Wie soll das E-Book aus­se­hen? Soll es ein­fach ein elek­tro­ni­sches Buch sein? Soll es Zusatz­funk­tio­nen haben und wenn ja, wel­che? Oder ist es am Ende ein eige­nes Ding (das evo­lu­tio­näre Kind des Buches)? Und diese Frage stellt sich an die End­nut­zer: was soll das E-Book kön­nen? Die­ser letzte Punkt fehlt mir kom­plett in der Dis­kus­sion. Da wird gesagt, die E-Books so gehen nicht, aber was sie kön­nen sol­len, lese ich lei­der in kei­ner Diskussion.

Was bleibt aber beim E-Book, auch wenn es zu einer eige­nen Medien(-Misch-)form wird. An ers­ter Stelle steht die Idee, die Geschichte bei der Bel­le­tris­tik, die These beim Sach– und Fach­buch. Liegt das Manu­skript vor, so braucht es ein gutes Lek­to­rat, um die Spreu vom Wei­zen zu tren­nen. Dem folgt der Satz, zusätz­li­che Medi­en­mög­lich­kei­ten (Ton, Bild, Inter­ak­ti­vi­tät), die Her­stel­lung. Letz­te­res wird sich ab einem bestimm­ten Punkt, näm­lich dann, wenn die Fah­nen zum Druck gehen, ändern. Dies ist auch der Punkt, an dem sich das E-Book von der klas­si­schen Form unter­schei­det, wo der zukünf­tige Men­ta­li­täts­wan­del, der Bruch im heu­ti­gen Den­ken liegt. Es gibt kein Ori­gi­nal mehr. Alles ist Kopie und Ori­gi­nal zugleich, zudem unend­lich ver­viel­fäl­tig­bar. Hier liegt die Krux. Warum soll ich als Leser genau­so­viel für das E-Book wie für eine Druck­aus­gabe bezah­len, wenn der Ver­lag nur noch auf Copy&Paste drü­cken muß. Kas­siert da der Ver­lag nicht ab? Wie recht­fer­tigt er den Preis, der höher als ein paar Euros liegt? Hier den­ken sowohl Leser, als auch Ver­lag vom klas­si­schen Buch her. Das ist das eigent­li­che Kern­pro­blem der Dis­kus­sion! Ent­we­der es ist eine andere Form des klas­si­schen Buches oder das E-Book ist eine kom­plett neue Medi­en­form. Das hängt von der Erwar­tungs­hal­tung der Kun­den und der Bereit­schaft zum Wan­del bei den Ver­la­gen ab. Und hier man­gelt es an der Aus­ein­an­der­set­zung, an der For­mu­lie­rung von Wün­schen, auf bei­den Sei­ten! Bis zur Her­stel­lung des End­pro­duk­tes, der Fahne im ursprüng­li­chen Sinne, des Mas­ter­tapes in der Musik­in­dus­trie, blei­ben die Auf­ga­ben gleich, die nun mal nicht kos­ten­los zu machen sind, wenn gute Qua­li­tät erzielt wer­den soll. Auch ein E-Book recht­fer­tig sei­nen Preis (der von Ange­bot und Nach­frage bestimmt wird). Nicht nur im Druck, son­dern viel­mehr in den Arbeits­schrit­ten zuvor liegt die Wert­schöp­fung. Wenn diese Erkennt­nis wie­der in das Bewußt­sein aller steigt, wird es zu einer befrie­di­gen­den Dis­kus­si­ons­lö­sung kom­men. Auf­ein­an­der zuge­hen und zuhö­ren sind die Schlüs­sel zum Erfolg.

Was mei­nen Sie?

Wir freuen uns über eine anre­gende Dis­kus­sion. Der Meine Ver­lag steht – das zu unse­rer Posi­tion – als inno­va­ti­ver Ver­lag neuen Tech­no­lo­gien und Ände­run­gen offen und inter­es­siert gegenüber.

P. S.: Diese Dis­kus­sion läßt sich dann wei­ter beim Punkt der Preis­bin­dung füh­ren. Aber es ist recht ein­fach zu klä­ren: wol­len wir die Preis­bin­dung als Schutz des beson­de­ren Kul­tur­gu­tes Buch? Wenn ja, ist das E-Book (auch wenn es eine eigene Medi­en­form wäre) auch ein Kul­tur­gut? Soll­ten beide Frage mit Ja beant­wor­tet wer­den, dann gilt für das E-Book auch die Preisbindung.

01

02 2010

Petition: Wissenschaft und Forschung – Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen

Lars Fischer reichte am 20.10.2009 im Deut­schen Bun­des­tag die Online-Petition zu „Wis­sen­schaft und For­schung – Kos­ten­lo­ser Erb­werb wis­sen­schaft­li­cher Publi­ka­tio­nen“ ein. Er for­dert darin die Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges auf, einen Beschluß zu fas­sen, wis­sen­schaft­li­che Publi­ka­tio­nen, die aus öffent­lich geför­der­ter For­schung her­vor­ge­hen, allen Bür­gern kos­ten­frei zugäng­lich zu machen. Des­wei­te­ren sol­len Insti­tu­tio­nen, die staat­li­che For­schungs­gel­der auto­nom ver­wal­ten, ent­spre­chende Vor­schrif­ten erlas­sen und tech­ni­sche Vor­aus­set­zun­gen dazu schaf­fen. Nach heu­ti­gem Stand (28. Novem­ber 2009) haben 16024 Per­so­nen die Peti­tion mitunterzeichnet.

Wir (der Ver­le­ger und seine Mit­ar­bei­ter) sind hin­sicht­lich der For­de­rung sehr zwie­ge­spal­ten. Ohne Zwei­fel ist die dahin­ter ste­ckende Idee nicht schlecht und logisch nach­voll­zieh­bar. Nur erscheint uns das Ganze zu „kurz gesprun­gen“ zu sein. Im Fol­gen­den wer­den wir einige Beden­ken äußern, sowohl aus der spe­zi­el­len Posi­tion der Wis­sen­schaft­ler (u. a. als Dok­to­ran­den), als auch aus der all­ge­mei­nen Sicht. Vor­weg: der Meine Ver­lag bekennt sich zu OpenAc­cess und hat mit Wissens-Werk.de (u. a. AEON – Forum für junge Geschichts­wis­sen­schaft) eine eigene Platt­form dafür geschaf­fen. Also wir sind kein “böser” Ver­lag, der hier seine Felle davon schwim­men sieht ;-) .

  • Zunächst stellt sich für uns die Frage, was ist öffent­lich geför­derte For­schung. So klar, wie es auf den ers­ten Blick scheint, ist es näm­lich nicht, wie jeder, der an einer Uni­ver­si­tät wis­sen­schaft­lich gear­bei­tet hat, weiß. Die For­men öffent­li­cher För­de­rung ist viel­fäl­tig, mit Zwi­schen­stu­fen, nicht immer klar defi­niert mit dem Blick auf das Ganze. Ganz klar gibt es öffent­li­che Gel­der zu For­schungs­zwe­cken (DFG bei­spiels­weise). Aber ande­rer­seits gibt es auch pri­vate Gel­der, die über die Uni­ver­si­tä­ten an die Emp­fän­ger gehen: bei­spiels­weise Sach­mit­tels­ti­pen­dien in Höhe von weni­gen hun­dert Euros, die aus einer pri­va­ten Stif­tung über die Uni­ver­si­tät ver­teilt wer­den. Oder von der DFG geför­derte Gra­du­ier­ten­kol­legs, deren Sti­pen­dia­ten ihr Lebens­un­ter­halt aus eige­nen Mit­teln finan­zie­ren müs­sen. Die DFG stellt dann eben die Gel­der für die Infra­struk­tur etc. des Stu­di­en­gan­ges. Was ist mit den Tau­sen­den von Dok­to­ran­den, die indi­vi­du­ell bei ihrem Dok­tor­va­ter pro­mo­vie­ren, aber tat­säch­lich nichts mit der Uni­ver­si­tät zu tun haben (keine Anstel­lung etc.), den­noch durch die Betreu­ung (Sprech­stunde, spe­zi­elle Semi­nare etc.) staat­li­che Gel­der für ihre For­schung in Anspruch neh­men (streng logisch gedacht!)?

Fazit: Zunächst muß genau defi­niert wer­den, was öffent­lich geför­derte For­schung ist!

  • Nach dem deut­schen Urhe­ber­rechts­ge­setz ist das Urhe­ber­recht Teil des Per­sön­lich­keits­rech­tes. Also der Urhe­ber bestimmt aus freiem Wil­len, was mit der Ver­wer­tung sei­nes Wer­kes geschieht. Es kann nicht von der Per­son los­ge­löst wer­den. (Des­we­gen über­tra­gen Auto­ren Ver­la­gen Nut­zungs­rechte! Die­ser Punkt wird lei­der in vie­len Dis­kus­sio­nen nicht streng genau beach­tet.) Wenn uns aber nun vor­ge­schrie­ben wird, wo und wie wir unser Werk publi­zie­ren, ver­letzt es unsere Per­sön­lich­keits­rechte. Hier besteht also ein Wider­spruch zwi­schen der For­de­rung in der Peti­tion und der aktu­el­len Gesetzeslage.
  • Durch das Grund­ge­setz abge­si­chert ist eine freie For­schung und Lehre (Art. 5 Abs. 3 GG: „Kunst und Wis­sen­schaft, For­schung und Lehre sind frei.“). Zur For­schung gehört ele­men­tar und nicht abkop­pel­bar die Publi­ka­tion der For­schungs­er­geb­nisse. Durch eine Zwangs­ver­pflich­tung zu OpenAc­cess wäre die­ses Grund­recht nicht nur tan­giert, son­dern beschnit­ten. Schon aus die­sem Grund ist die Peti­tion nicht mit dem Grund­ge­setz vereinbar.
  • In wel­cher Form sol­len die Werke als OpenAc­cess vor­lie­gen? Zwei­ver­wer­tung (grü­ner Weg) oder Erst­pu­bli­ka­tion (gol­de­ner Weg)? Nach wel­cher Rechts­form (diverse CC-Lizenzen sind mög­lich) sol­len sie ver­legt wer­den? Wer ent­schei­det dar­über? Wo sol­len sie gela­gert wer­den? Auf einem zen­tra­len staat­li­chen Ser­ver, aber wel­cher Insti­tu­tion dann? Wie lange sol­len sie zugäng­lich sein? Wer ist für die Ver­wal­tung, Regis­trie­rung etc. zustän­dig? Wie soll das Ganze finan­ziert wer­den? Wel­che Lay­out­form sol­len sie haben, wer setzt die Werke, gibt es da Vor­schrif­ten? In kon­se­quen­ter Fort­füh­rung der Gedan­ken ent­steht ein staat­li­cher Zwangs­ver­lag, der so ein Mono­pol erhält. Uns macht das Angst!
  • Ein letz­ter Gedanke: was ist mit den For­schungs­er­geb­nis­sen, die pri­va­tim (Pri­vat­gel­der oder aus der freien Wirt­schaft) ent­stan­den sind. Diese For­scher dür­fen ja letzt­lich den Weg ihrer Publi­ka­tion frei wäh­len. Leicht kann es dazu kom­men, daß hier eine Zwei­klas­sen­wis­sen­schaft ent­steht: staat­lich geför­derte hier, private/aus freier Wirt­schaft geför­derte dort. (Die Frage ist, was macht man mit denen, die aus gemisch­ten Finan­zie­run­gen ent­stan­den sind?) Es ent­steht keine gesunde Kon­kur­renz, die sich aus dem Inhalt/Ergebnisse speist, son­dern aus ihrer Publi­ka­ti­ons­form, wobei ein Part auf eine bestimmte zwangs­fest­ge­legt wird. Ob das gut ist, ist fraglich.

Ohne Frage för­dert OpenAc­cess die Wis­sen­schaft. Ohne Frage ist es nicht in Ord­nung, wenn Ver­lage nicht nur an den hohen Druck­kos­ten, son­dern letzt­lich auch an den Auto­ren abge­ge­be­nen Arbeit wie Satz, Wer­bung etc. und den hohen Ver­kaufs­prei­sen kräf­tig ver­die­nen. Ohne Frage soll der Zugang zu Wis­sen mög­lichst leicht und kos­ten­frei, zumin­dest kos­ten­güns­tig sein. Aber der staat­li­che Zwang zu OpenAccess-Publikationen erscheint uns – vor allem bezüg­lich der offe­nen Fra­gen – nicht der rich­tige Weg zu sein. Viel mehr sollte die Idee, die Frei­wil­lig­keit durch Anreiz­schaf­fung geför­dert wer­den! Sonst besteht die Gefahr, daß Zustände ein­tref­fen wer­den, die nicht in der gut gemein­ten Inten­tion der Peti­tion liegen.

28

11 2009

OpenAccess-Tagung im Frankfurter Literaturhaus – Meinungen und Links

In die­ser Woche fand im Frank­fur­ter Lite­ra­tur­haus die Tagung zum “Hei­del­ber­ger Appell” statt, die ers­ten Stim­men dazu sind nun im Netz erschie­nen (auch wenn es wohl ein Wider­spruch zur Hal­tung man­cher Teil­neh­mer sein mag ;-) ). Wir konn­ten daran lei­der nicht teil­neh­men, haben aber inter­es­siert die ver­schie­de­nen Bericht sofort gele­sen. Faßt man die Grund­in­for­ma­tio­nen zusam­men, scheint die Tagung nur eine reale Wider­gabe des Hei­del­ber­ger Appells gewe­sen zu sein: Ver­mi­schung von Begrif­fen, die über­haupt nichts damit zu tun haben; kein Ein­ge­hen auf die Argu­mente der jewei­li­gen Seite; nur eine Schein­dis­kus­sion; Vor­tra­gende, die nur einer Dis­kus­si­on­s­eite ange­hör­ten. Schade!

Unsere Posi­tion zum Hei­del­ber­ger Appell fin­den sie hier.

Es ist Zeit, daß diese Dis­kus­sion nun end­lich pole­misch frei und sach­be­zo­gen geführt wird. Dazu gehört auch eine genaue Anwen­dung der Begriffe causa google, OpenAc­cess und elek­tro­ni­sches Publi­zie­ren! Solange dies nicht geschieht, wer­den sich die Fron­ten verhärten.

17

07 2009

“Heidelberger Appell” – ab wann wird eine Diskussion nur noch grotesk?

Gerade aktu­ell im IBI-Weblog den ers­ten Hin­weis zum Heise-Artikel gele­sen, dann den Bei­trag selbst auf Heise. Die ganze Debatte (kann man sie eigent­lich über­haupt noch so bezeich­nen?) nimmt zuneh­mend gro­tes­kere Züge an. Gut, eigent­lich wäre es hier an der Stelle gebo­ten, auch den Ori­gi­nal­bei­trag von Roland Reuß zu lesen, um nicht irgend­wel­chen Aus­zü­gen, die miß­in­ter­pre­tiert wer­den könn­ten, auf dem Leim zu gehen. Nur stellt sich mir hier die Frage, kann/darf man ab einem Punkt, an dem die Dis­kus­sion sich so wan­delt und erst­mal, was die Fak­ten betrifft, nichts neues bringt, über­haupt noch die ent­spre­chen­den Infor­ma­tio­nen sam­meln und lesen? Ist der Punkt schon erreicht? Natür­lich ist es legi­tim, in solch einer Debatte auch seine Mei­nung kund zu tun und auf Feh­ler oder Übertreibungen/unangebrachte Ver­glei­che in der Dis­kus­sion hin­zu­wei­sen, wie es der IBI-Weblog getan hat (neben­bei ich fand den Arti­kel gut), oder noch­mals neu­este Hin­weise in der Debat­ten­folge, wie es im Heise-Artikel getan wurde,  zu geben. Aber ich frage mich all­ge­mein, sind wir nicht wirk­lich bald an dem Punkt ange­langt, wo jeder Bei­trag zum “Hei­del­ber­ger Apell” à la Mei­nungs­kund­tu­ung ihm mehr Auf­merk­sam­keit zubil­ligt, als es für die Dis­kus­sion dien­lich ist? Nicht das wir uns noch zu Hand­lan­gern einer auf­ge­bläh­ten, vom eigent­li­chen Ziel abge­kom­me­nen Debat­ten­füh­rung mutie­ren. Wäre es jetzt nicht lang­sam gebo­ten, daß die ers­ten und gro­ßen Anlauf­stel­len der Buch­bran­che (bei­spiels­weise Bör­sen­ver­ein oder Deut­scher Biblio­theks­ver­band) ein­zeln oder sogar gemein­sam eine wirk­li­che Dis­kus­si­ons­platt­form schaf­fen, die von neu­tra­len und fak­ten­ge­sät­tig­ten Infor­ma­ti­ons­samm­lun­gen zu den Streit­the­men causa google, elek­tro­ni­sche Publi­ka­tion und OpenAc­cess beglei­tet wird? Schließ­lich wer­den die Kern­fra­gen hier zum Poli­ti­kum, dem mei­ner Mei­nung nach momen­tan eine  wirk­lich aus­ge­wo­ge­nen Grund­lage und gedank­li­che Ziel­ge­nau­ig­keit fehlt.

08

05 2009

Heiße Diskussion um den “Heidelberger Appell” – unsere Position dazu

Seit eini­gen Wochen wird auf diver­sen Platt­for­men im Netz und nun auch in den Print­me­dien eine heiße Dis­kus­sion um den “Hei­del­ber­ger Appell” geführt, zu dem wir unsere Gedan­ken auch schon mal aus­ge­führt haben (siehe dazu auch unse­ren Blog­ein­trag vom 14. April 2009). Da nun auch bekannte Poli­ti­ker (Jus­tiz­mi­nis­te­rin Bri­gitte Zypries und Kul­tur­staats­mi­nis­ter Bernd Neu­mann) sich für den “Hei­del­ber­ger Appell” aus­spre­chen und ihn unter­stüt­zen, ist dies für uns ein will­kom­me­ner Anlaß, uns zu die­ser Dis­kus­sion zu positionieren.

Zunächst ist fest­zu­hal­ten, um was es beim “Hei­del­ber­ger Appell” über­haupt geht: hier wird die Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen durch die mas­sive Ein­scan­nung von Büchern durch die Firma Google (causa google) mit einer For­de­rung nach der Frei­heit der Publi­ka­ti­ons­form und dem freien Zugang zu den Ergeb­nis­sen und Fach­ver­öf­fent­li­chun­gen der öffent­lich finan­zier­ten For­schung (Stich­wort OpenAc­cess) ver­mengt. Und an die­ser Stelle liegt die Krux in der Dis­kus­sion. Denn es geht hier um drei ver­schie­dene Dinge, die in einen Topf gewor­fen wor­den sind und nichts mit­ein­an­der zu tun haben. Es erstaunt da schon sehr, daß dies in der Mehr­heit abso­lut unkri­tisch von den Dis­kus­si­ons­teil­neh­mern hin­ge­nom­men wird.

Wie posi­tio­niert sich nun der Meine Ver­lag zu die­ser Diskussion?

  1. Wir wün­schen uns eine genaue und sau­bere Defi­ni­tion und Anwen­dung der Begriffe bzw. Dis­kus­si­ons­punkte Urheberrechtsverletzung/causa google, digi­tale Publi­ka­tion und OpenAccess.
  2. Der Meine Ver­lag spricht sich klar und deut­lich gegen jeg­li­che Form von Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen aus.
  3. Wir sehen sowohl in der digi­ta­len Publi­ka­tion, als auch in der Bewe­gung OpenAc­cess jeweils eine Mög­lich­keit, For­schungs­er­geb­nisse aus der Wis­sen­schaft ver­öf­fent­li­chen zu kön­nen und somit dem For­schungs­dis­kurs zur Ver­fü­gung zu stel­len (aus­führ­lich hierzu unser Blog­bei­trag vom 14. April 2009).
  4. Von einer Wahl­frei­heit der Publi­ka­ti­ons­form kann in der For­schung nicht gespro­chen wer­den. Es beste­hen z. T. mas­sive hier­ar­chi­sche Bar­rie­ren bei Ver­öf­fent­li­chun­gen. Hier sei auf das Bei­spiel ver­wie­sen, daß Dok­to­ran­den nur im gerin­gen Maße über die Form oder den Ver­lag bei der Ver­öf­fent­li­chung ihrer Dis­ser­ta­tion ent­schei­den dür­fen. Viel­mehr wird ihnen sei­tens des Dok­tor­va­ters die Reihe oder der Ver­lag vor­ge­schrie­ben. Wo hat da noch der Dok­to­rand seine Wahl­frei­heit, fra­gen wir uns. Aus Forschungs-, Biblio­theks– und Steu­er­zah­ler­per­spek­tive ist die Emp­feh­lung der DFG, daß Auto­ren den Zugang zu ihren Ergeb­nis­sen aus steu­er­fi­nan­zier­ter For­schung der Gesell­schaft ein­fach macht, rich­tig. Es ist Auf­gabe der Ver­lage, hier ent­spre­chende wirt­schaft­lich funk­tio­nie­rende Publi­ka­ti­ons­mo­delle zu entwickeln.
  5. Wir begrü­ßen eine sach­lich geführte Dis­kus­sion um die Punkte elek­tro­ni­sche Publi­ka­tion und OpenAc­cess, die lei­der mit dem “Hei­del­ber­ger Appell” aber nicht geführt wird.

Letzt­lich bleibt noch anzu­mer­ken, daß die wider­sprüch­li­che Posi­tio­nie­rung des Bör­sen­ver­eins des Deut­schen Buch­han­dels schon erstaunt. Einer­seits wird mit viel Auf­wand und Bewer­bung das Online-Portal “libreka” ein­ge­führt, was nicht nur als Voll­text­su­che für gedruckte Bücher gedacht ist, son­dern viel­mehr auch als Por­tal zum Erwerb von E-Books. Ande­rer­seits wird unkri­tisch jede “Erfolgs­mel­dung” zum “Hei­del­ber­ger Appell” über den News­let­ter und Ticker ver­schickt. Wider­spricht sich denn an die­ser Stelle nicht der Bör­sen­ver­ein sich selbst und unter­stützt damit in letz­ter gedach­ter Kon­se­quenz nicht einen Feld­zug gegen sein eigene Online-Plattform?

Diese Dis­kus­sion um OpenAc­cess und digi­ta­ler Publi­ka­tion darf nicht zu einer Hexen­jagd aus­ar­ten. Damit stellt sich sowohl die For­schungs­ge­mein­schaft, als auch die Buch­bran­che ein eige­nes Bein, wie es die Musik­bran­che vor ein paar Jah­ren schmerz­lich erfah­ren mußte. Denn in den USA sind die Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer schon ein gan­zen Schritt wei­ter, wie das Bei­spiel des Natio­nal Insti­tu­tes of Health (NIH) zeigt (hierzu der Bei­trag von Richard Siet­mann: Hei­del­ber­ger Halali. Streit um OpenAc­cess und Urhe­ber­rechte, in: c’t 10/09).

Wei­tere Informationen

28

04 2009