Erschienen: Dokumentationsband zu “Die Gegenwart des Vergangenen”

Dokumentationsband zu “Die Gegenwart des Vergangenen”
Im Dezember erschien der Dokumentationsband zur Ausstellung “Die Gegenwart des Vergangenen. Strategien im Umgang mit sozialistischer Repräsentationsarchitektur”, hrsg. von Kathleen Schröter und Thomas Klemm.
Fast zwei Jahrzehnte ist es her, dass friedliche Proteste zum Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Deutschland und Osteuropa führten. Doch immer noch provoziert die Frage nach dem angemessenen Umgang mit deren architektonischen und künstlerischen Hinterlassenschaften heftige Diskussionen. So führte beispielsweise der euphemistisch als Rückbau bezeichnete Abriss des »Palastes der Republik« in Berlin zu jahrelangen Kontroversen zwischen Abrissgegnern und –befürwortern. Die Debatten sprechen dabei zentrale Fragen im Umgang mit der jüngsten Vergangenheit an. Was lohnt es zu erhalten, zu musealisieren, einer gewandelten Nutzung zu übergeben und mit welchen Argumenten lässt sich eine Beseitigung begründen?
Die bisherige Forschung und öffentliche Auseinandersetzung hat zu diesen Fragen umfangreiches Wissen und vielfältige Begegnungsräume geschaffen. Dennoch wurden die verschiedenen Bereiche, in denen die Debatten stattfinden – Kunst, Politik, Wissenschaft usw. – bislang weitgehend voneinander isoliert betrachtet. Zudem existieren bislang nur wenige länderübergreifende, vergleichende Betrachtungen zum Thema. Das Projekt »Die Gegenwart des Vergangenen« führt daher künstlerische und wissenschaftliche Herangehensweisen zusammen. In der Vergangenheit wurde dieser Ansatz bei Projekten des Leipziger Kreises bereits mehrfach angewendet, u. a. im Projekt »Der Feind im Kopf. Künstlerische Zugänge und wissenschaftliche Analysen zu Feindbildern«. Die künstlerischen Arbeiten ermöglichen es, neben den politischen und kommerziellen Strategien besonders auch die privaten, individuellen Formen der Umdeutung von Gebäuden und Plätzen aufzuspüren. Sie werden in einem Kolloquium durch Vorträge aus den Geistes-, Sozial– und Kunstwissenschaften in einen wissenschaftlichen Kontext gestellt. Die verschiedenen Herangehensweisen lassen ein Spannungsfeld entstehen, in dem sich Kunst und Wissenschaft gegenseitig bereichern, in der Zusammenschau neue Perspektiven eröffnen und unterschiedlichste Sichtweisen auf ein und dasselbe Thema ermöglichen.
Die Bauepoche der DDR gehört inzwischen zu einem abgeschlossenen Kapitel der jüngsten deutschen Architekturgeschichte. Sie ist Teil der immensen Aufbau leistung nach dem Zweiten Weltkrieg und Zeugnis sozialistischer Baukultur. 20 Jahre nach dem Fall der Mauer ist die Frage nach dem angemessenen Umgang mit der Architektur des Sozialismus jedoch immer noch nicht geklärt, deren Bewertung energisch und emotional umkämpft, besonders im Hinblick auf Bauwerke repräsentativen Charakters. Die Autorinnen und Autoren des vorliegenden Bandes nähern sich anhand von verschieden Fallbeispielen diesem bislang wissenschaftlich nur wenig beachteten Forschungsgegenstand.
Die Kuratoren und Herausgeber
Kathleen Schröter
Jahrgang 1977, Studium der Kunstgeschichte, Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Köln und Bonn, seit 1998 Referentin für politische Bildung, 2002 – 2003 studentische Hilfskraft im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, 2004 Magistra Artium. Seit 2005 Arbeit an der Dissertation »Die Rezeption von Kunst aus der DDR in der Bundesrepublik Deutschland vor 1989/90«. Seit 2006 Stipendium der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Ausbildung zur Museumspädagogin. Mehrfache Beteiligungen an unterschiedlichen Ausstellungsprojekten, zuletzt 2003 – 2005 Mitarbeit an der Ausstellung »Kunstgeschichte im Nationalsozialismus. Wanderausstellung zur Geschichte einer Wissenschaft zwischen 1930 und 1950«. Seit Februar 2007 Geschäftsführerin bei www.sichtwechsel.biz
Thomas Klemm
Jahrgang 1975, Studium der Geschichte und Kunstpädagogik in Dresden, Leipzig und Padua, 2003 Erstes Staatsexamen. Er arbeitet derzeit an seiner Dissertation zum Thema »Kunsttheoretische Forschung in der DDR«. Er leitet seit 1999 das Referat Bildende Kunst / Kunsttheorie im Leipziger Kreis. Forum für Wissenschaft und Kunst, wo er als Gründungsmitglied im Vorstand arbeitet. Im März 2005 kuratierte er die Ausstellung »Der Feind im Kopf. Wissenschaftliche Analysen und künstlerische Zugänge zu »Feindbildern« und im November 2005 die Ausstellung »Es geht voran! Über das Potential ungenutzter Möglichkeiten«. Für beide Ausstellungen gab er die Kataloge heraus. Er arbeitet zudem als freiberuflicher Grafikdesigner, u. a. bei »Morgentreu & Harbinger«, Berlin.
Weitere Informationen zum Dokumentationsband:
- Preis: 17 EUR
- ISBN: 978 – 3-9811859 – 2-8
- 96 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
- Link zum Inhaltsverzeichnis
Der Ausstellungskatalog ist 2007 bei uns erschienen:
- Preis: 17 EUR
- ISBN: 978 – 3-9811859 – 1-1
- 162 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
- Link zum Inhaltsverzeichnis
Am Mittwoch durfte ich an einer Führung in der Jubiläumsausstellung zum 600. Geburtstag der Universität Leipzig “Erleuchtung der Welt” teilnehmen. Geleitet wurde sie von Herrn Prof. Dr. Dr. Detlef Döring, Mitkurator der Ausstellung. Auf knapp 1400 Quadratmetern wurde im Alten Rathaus zu Leipzig mit 700 Exponaten die Rolle der Alma mater lipsiensis bei der Herausbildung der modernen Wissenschaft dargestellt. Ausführlich und detailliert erhält der Besucher in mehr als 30 Themenbereichen Einblicke in diesen Teil der Geschichte, wobei nicht nur im engeren Sinne auf die Welt der Universität, sondern auch auf die Stadt und Mitteldeutschland eingegangen wird. Ohne Zweifel steckt in der Ausstellung sehr viel Arbeit, Mühe und Interesse, die zu würdigen sind. Aber bei näherem Hinblicken muß ich einiges anmerken. Zunächst ist das Thema (im weitesten Sinne Aufklärung) für eine Jubiläumsausstellung zu 600 Jahre (!!!) Universität Leipzig viel zu eng gegriffen, wenn man sich das potentielle Zielpublikum anschaut (Leipziger Stadtbewohner und Besucher). Hier wäre – ganz klassisch – eine Überblicksdarstellung über die Leipziger Universitätsgeschichte wohl angebrachter gewesen. Ein weiteres Problem ist die Umsetzung: Hauptsächlich Flachware (Bücher, Schriften) und Bilder (Ölgemälde, Kupferstich) sind als Exponate gewählt worden. Vor allem im ersten Drittel der Ausstellung sind sie fast ausschließlich zu sehen. Als Besucher ermüdet man, es fehlt die Abwechslung. Nur wenig Multimedia ist eingesetzt worden, um so für Kurzweile und andere Einsichten zu sorgen. Desweiteren sind so manche Themengebiete sehr speziell, die auf wenig Interesse stoßen (beispielsweise Rolle der Orientalistik in der Aufklärung). Als letzter Punkt ist die Informationsweitergabe zu kritisieren. Zwar führen gut verständlich gehaltene, nicht zu lange Einführungstexte in die Themenbereiche ein, die durch die Exponatbeschreibungen ergänzt werden, aber sie zeigen die inhaltliche Verbindungen nicht auf, sie machen zu wenig die Konzeption deutlich. Zudem sind sie typografisch schlecht aufbereitet (zu eng beieinander die Textblöcke gehalten, zu enge und vertikale Schrift, weiße Buchstaben auf grauem Hintergrund aus der Ferne schlecht lesbar [Aussage einer Besucherin]). Am beliebtesten war die Kinderecke bei allen Ausstellungsbesuchern. Hier konnte man sich mit Hieroglyphen, Durftorgeln, Schriftsetzerei und Drucken, physischen Experimenten u.v.m. gut vergnügen. Viel sagt es über die Ausstellung aus, wenn selbst Erwachsene diese Ecke ausführlich nutzen, anstatt sich die Ausstellung anzusehen! Fazit: Eine Ausstellung, die zwar inhaltlich (wenn man von der grundsätzlichen Kritik an der Themenwahl absieht) insgesamt gut gemacht ist, aber in der Umsetzung eher an eine wie vor 30 Jahren gemachte erinnerte. Eigentlich traurig, da der Anlaß zu viel mehr gegeben hätte.



