Vor zwei Tagen schrieb Leander Wattig in seinem Blog seine Gedanken zum Thema “Geld verdienen in digitaler Buchbranche”. Zusammengefaßt geht es um die Möglichkeit, daß jeder Autor im Zeitalter des Internets, des Web 2.0 und des E-Books selber in der Lage ist, sein Werk unter Ausschließung eines Verlages digital zu verkaufen. Der Autor erstellt den zu veräußernden Inhalt, die technischen Möglichkeiten zur Erstellung eines E-Books (in einfachster Form als Pdf) und die Verbreitung im Internet übernimmt er zugleich. Wo bleibt dann der Verlag? Wo liegt dabei seine Aufgaben und Tätigkeitsfelder?
Im Grunde stimme ich Wattig zu, daß dem Autor heute und in Zukunft die Selbstvermarktung gegeben ist. Nun kommt von meiner Seite das große Aber. Seine Gedanken beruhen auf einer bestimmten Voraussetzung, nämlich “Wenn wir uns nun also vorstellen und bejahen, dass das Internet langfristig zum absolut dominierenden Medium wird und Inhalte primär digital vorliegen werden, dann reden wir über eine Welt, in der sogar papierne Bücher eher die Ausnahme als die Regel sein werden.” (Leander Wattig). Hier wird ein Zukunftsszenario der papierlosen Welt vorgegeben, die mir in ihrer Endgültigkeit nicht vorstellbar ist. Ich glaube eher, daß beide Varianten – Papier– und elektronische Form – geben wird. Gut, nun kann ja der Einwand kommen, daß man mit Digitaldruck oder Print-on-Demand auch als Autor preiswert kklassische Bücher produzieren kann. Aber dazu benötigt der Autor das technische Wissen der Herstellung und die Zeit, sich nach dem besten Anbieter zu erkundigen. Will er das? Will er diese Investition erbringen? Dazu kommt noch die technische Grenzen der Herstellung im Bereich Digitaldruck und Print-on-Demand bzw. die Nichtkompatibilität mit bestimmten Wunschvorstellungen (Papierauswahl etc.). Desweiteren ist überhaupt der ganze Herstellungsbereich in dieser Diskussion näher in den Fokus zu rücken, angefangen von der Typographie und dem Satz bis zur Herstellung. Und das ist der Punkt, an dem der Verlag in Erscheinung tritt. Denn was sind die Aufgaben eines Verlages? Die angebotenen Inhalte der Autoren (Manuskripte) auf ihre Qualität zu prüfen (Lektorat), sie in eine angemessene Form zu bringen (Korrektorat, Satz, Herstellung) und anschließend zu vertreiben (Buchverkauf). Der Verlag kann diese Aufgaben aufgrund seiner Erfahrung, Kompetenz und Verbindungen am besten bewerkstelligen. An vielen Stellen wird der Autor allein scheitern: sei es, die angemessene Form zu bringen (wieviele typographische Mängel sind nicht schon heute in zahlreichen Büchern zu sehen, weil Verlage sich die Kosten für einen anständigen Satz sparen und die Aufgabe dem Autor überlassen, der dann mit Word an seinem Manuskript herumdoktort????) oder die Kompetenzen für den Buchverkauf zu haben, vor allem für Leser, die nicht internetaffin sind? Ist diese Lesergruppe nicht am Ende außen vor?
Ich denke, es wird sich eine Mischung ergeben. Unbekannte Autoren, die den Weg der Selbstvermarktung gehen, um Bekanntheit zu erlangen, aber den Zeit– und Arbeitsaufwand unterschätzen und sich schließlich doch einen Fachpartner, Verlag, suchen. Verlage dagegen haben im Internet die Möglichkeit, zum einen Autoren zu entdecken und zu fördern sowie selber in Kooperation mit den Autoren die Leser mit digitalen Inhalten zu gewinnen. Denn Autor und Verlag sind eine Symbiose und keine Konkurrenten, zumindest ist das mein Verständnis!