Wissenszugang online: Nationallizenzen für elektronische Medien
Der unkomplizierte Zugang zu Informationen, die weit abgelegen oder entfernt liegen, ist für den Wissenschaftler ein notwendige Voraussetzung für seine Arbeit. An dem Punkt setzt bekanntermaßen der Vorteil der Online-Suchmaschinen ein. Nun ist es aber oft auch so, daß Textsammlungen erst mit einem Abonnement zugänglich sind, was sich in Einzelfällen für den Autor aufgrund der Kostenfrage nicht lohnt. Was soll er nun an dieser Stelle machen? Auf den Text verzichten und damit vielleicht auch auf wichtige Belege? Das muß er nun nicht mehr tun. Denn seit 2004 gibt es das DFG-Projekt “Nationallizenzen für elektronische Medien”. Ziel ist es, mit dem Erwerb von Nationallizenzen großer Online-Datenbanken, digitalen Textsammlungen und elektronischen Zeitschriften Wissenschaftlern, Studierenden und interessierten Privatpersonen einen entsprechenden kostenlosen Zugang zu ermöglichen. Organisiert wird das Projekt von den vier großen Universitätsbibliotheken
- Bayerische Staatsbibliothek München
- Niedersächsische Staats– und Universitätsbibliothek Göttingen
- Staatsbibliothek zu Berlin
- Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt/Main.
Zwar soll der Nutzer das Portal möglichst über kooperierende Bibliotheken nutzen, kann sich aber im Falles eines Nichtzuganges zu einer entsprechenden Bibliothek auch als Privatperson bei diesem Projekt registrieren lassen.
Im Grunde verfolgt die DFG damit weiter ihre Förderung des OpenAccess. Für Wissenschaftler ist es eine arbeitserleichternde Möglichkeit, schnell und zentral an wichtige Informationen heranzukommen.
- Link zum DFG-Projekt “Nationallizenzen für elektronische Medien”
- Link zum Suchportal
Am Mittwoch durfte ich an einer Führung in der Jubiläumsausstellung zum 600. Geburtstag der Universität Leipzig “Erleuchtung der Welt” teilnehmen. Geleitet wurde sie von Herrn Prof. Dr. Dr. Detlef Döring, Mitkurator der Ausstellung. Auf knapp 1400 Quadratmetern wurde im Alten Rathaus zu Leipzig mit 700 Exponaten die Rolle der Alma mater lipsiensis bei der Herausbildung der modernen Wissenschaft dargestellt. Ausführlich und detailliert erhält der Besucher in mehr als 30 Themenbereichen Einblicke in diesen Teil der Geschichte, wobei nicht nur im engeren Sinne auf die Welt der Universität, sondern auch auf die Stadt und Mitteldeutschland eingegangen wird. Ohne Zweifel steckt in der Ausstellung sehr viel Arbeit, Mühe und Interesse, die zu würdigen sind. Aber bei näherem Hinblicken muß ich einiges anmerken. Zunächst ist das Thema (im weitesten Sinne Aufklärung) für eine Jubiläumsausstellung zu 600 Jahre (!!!) Universität Leipzig viel zu eng gegriffen, wenn man sich das potentielle Zielpublikum anschaut (Leipziger Stadtbewohner und Besucher). Hier wäre – ganz klassisch – eine Überblicksdarstellung über die Leipziger Universitätsgeschichte wohl angebrachter gewesen. Ein weiteres Problem ist die Umsetzung: Hauptsächlich Flachware (Bücher, Schriften) und Bilder (Ölgemälde, Kupferstich) sind als Exponate gewählt worden. Vor allem im ersten Drittel der Ausstellung sind sie fast ausschließlich zu sehen. Als Besucher ermüdet man, es fehlt die Abwechslung. Nur wenig Multimedia ist eingesetzt worden, um so für Kurzweile und andere Einsichten zu sorgen. Desweiteren sind so manche Themengebiete sehr speziell, die auf wenig Interesse stoßen (beispielsweise Rolle der Orientalistik in der Aufklärung). Als letzter Punkt ist die Informationsweitergabe zu kritisieren. Zwar führen gut verständlich gehaltene, nicht zu lange Einführungstexte in die Themenbereiche ein, die durch die Exponatbeschreibungen ergänzt werden, aber sie zeigen die inhaltliche Verbindungen nicht auf, sie machen zu wenig die Konzeption deutlich. Zudem sind sie typografisch schlecht aufbereitet (zu eng beieinander die Textblöcke gehalten, zu enge und vertikale Schrift, weiße Buchstaben auf grauem Hintergrund aus der Ferne schlecht lesbar [Aussage einer Besucherin]). Am beliebtesten war die Kinderecke bei allen Ausstellungsbesuchern. Hier konnte man sich mit Hieroglyphen, Durftorgeln, Schriftsetzerei und Drucken, physischen Experimenten u.v.m. gut vergnügen. Viel sagt es über die Ausstellung aus, wenn selbst Erwachsene diese Ecke ausführlich nutzen, anstatt sich die Ausstellung anzusehen! Fazit: Eine Ausstellung, die zwar inhaltlich (wenn man von der grundsätzlichen Kritik an der Themenwahl absieht) insgesamt gut gemacht ist, aber in der Umsetzung eher an eine wie vor 30 Jahren gemachte erinnerte. Eigentlich traurig, da der Anlaß zu viel mehr gegeben hätte.




