Christoph Drösser behandelt in seinem Artikel “Das Denken ist frei” (DIE ZEIT, 08.04.2009 Nr. 16) sehr gut und leicht nachvollziehbar die Vorteile von OpenAccess für die Wissenschaft. Eigentlicher Ausgangspunkt für seine Überlegungen ist der “Heidelberger Appell”, ein Unterschriftenaufruf des Literaturwissenschaftlers Roland Reuß gegen Google (massive Einscannung von Büchern, ohne Verwertungsrechte an ihnen zu besitzen) und OpenAccess. Mit seinem absolut lesenswerten Artikel weist er nochmal ausdrücklich auf die Unterscheidung zwischen der causa Google und OpenAccess hin.
In seiner Erklärung gegen OpenAccess geht Roland Reuß in einem weiten Bogen auf die Förderung von der Publikationsform “OpenAccess” durch die DFG, über die Nachteile von OpenAccess für die Autoren (angebliche Urheberrechtseinschränkung) bis zur Verpflichtung von Wissenschaftler an einigen Universitäten (z. B. Zürich), ihre Publikationen als OpenAccess in einer Datenbank zur Verfügung zu stellen, ein.
Beim Lesen des Artikels und des Aufrufs sind mir fahrlässige Benutzung der Begriffe und Bedeutungen von OpenAccess, Onlinepublikation und Urheberrecht aufgefallen, besonders schlimm im Heidelberger Appell. Zunächst einmal liegt hier in Deutschland das Urheberrecht immer beim Autor. Der Autor vergibt Nutzungsrechte! Diese begriffliche Unterscheidung und die genaue Anwendung ist in solch einer Diskussion unerläßlich! Wer darauf nicht achtet, vergibt Argumente in seiner Diskussion – so auch bei Reuß. Desweiteren schmeiße bitte keiner die Begriffe OpenAccess und Onlinepublikation in einen Topf. Es ist nicht ein und dasselbe, sondern zwei verschiedene Dinge! Onlinepublikation ist eben eine elektronische Publikationsform, für die genau wie für eine gedruckte ein Entgelt verlangt wird. Dagegen ist bei OpenAccess der freie Zugang für Autor und Leser der Hauptcharakter. Frei bedeutet auch kostenlos! Und dies hat viele Vorteile für die Wissenschaft, vor allem für eine Wissenschaft, die sich durch extreme Spezialisierungen und starken hierarchischen Strukturen auszeichnet. Denn eins wird in der Diskussion gerne unter den Tisch fallengelassen: es gibt in der Wissenschaft gerade für junge Wissenschaftler beim Publizieren zum Teil enorme hierarchische Barrieren! An diesem Punkt setzt OpenAccess, in einer vernünftigen Form gegossen (Peer review-Verfahren), regulierend und diskursfördernd ein. Der Meine Verlag setzt sich mit seinem OpenAccess–Projekt “WissensWerk” für diesen Gedanken ein. Wir, die wir selbst als Doktoranden aus der Forschung entstammen, sind der felsenfesten Überzeugung, daß Wissenschaft und Forschungsdiskurs eines freieren Austausches bedarf. Daher engagieren wir uns mit unserem Projekt WissensWerk. Um Mißverständnissen vorweg vorzubeugen: OpenAccess ist eine von drei Publikationsformen. Natürlich haben wir als Verlag ebenso ein Interesse daran, gute Bücher in gedruckter oder digitaler Form zu publizieren, wobei wir als Verlag im Gegensatz zu manchen Tendenzen in der Branche Satz und Layout gestalten und nicht unseren Autoren überlassen. OpenAccess und gedruckte/elektronische Publikation hat beides seine Existenzberechtigung. Der goldene Mittelweg muß gefunden werden und daran beteiligen wir uns.
Nachtrag und Aktualisierung zur Diskussion