Skizzenbuch


»Skizzen aus dem Berliner Zoo. 2002–2007«

Von Pavel Feinstein

Das Skizzenbuch
Meisterstücke zum Genießen: Tierzeichnungen von Pavel Feinstein.

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Tierzeichnungen von Pavel Feinstein aus dem Berliner Zoo
Hätten die Ausflüge des Künstlers vor hundert Jahren stattgefunden, wäre ein Vergleich seiner Naturstudien mit jenen von Adolph Menzel, Paul Meyerheim oder August Gaul, die ebenfalls im Berliner Zoo ausgeführt wurden, unumgänglich.

Ähnliche Editionen vom Ende des 19. Jahrhunderts und dieses Skizzenbuch trennt nicht nur ein großer zeitlicher Abstand, sondern auch eine Reihe von Revolutionen, die die Kunst im 20. Jahrhundert immer wieder erschütterten. Der Wert einer Naturstudie, die Auge und Hand schult, scheint heute verloren gegangen zu sein. Doch aus welcher kunsthistorischen Perspektive man die Zeichnungen von Pavel Feinstein auch betrachtet – sei es die dringende Forderung eines Contemporaristen nach Aktualität oder das Gebot eines Naturalisten nach abbildender Präzision, – ihre grundlegende Eigenschaft ist nicht zu übersehen: die Skizzen Feinsteins sind Meisterstücke.

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Die moderne Kunstkritik, die sich dem Gesetz und dem Sprachgebrauch des Kunstmarktes zwangsläufig anpasste, verwendet die Bezeichnung „Meisterwerk“ als anonymes Markenzeichen. Dieser Begriff, der heutzutage geradezu inflationär gebraucht wird, bezog sich ursprünglich auf die Erfüllung von handwerklichen Ansprüchen einer Zunft. Unter einem „Meisterwerk“ oder anders einem „Meisterstück“ stellte man sich die tadellose Arbeit eines Meisters vor. Ein Meisterstück zu schaffen, das durch seine handwerklichen Qualitäten für sich spricht, ist das primäre Ziel von Pavel Feinstein. Für ihn besteht die künstlerische Herausforderung darin, seiner eigenen Subjektivität einen Rahmen zu setzten, um innerhalb dieses Rahmens seine Kunstfertigkeit frei zu entfalten. Vergebens würde man in den Zeichnungen von Feinstein nach Tiefgründigkeit suchen, ebenso wenig tragen die symbolischen Charakter. Die unausweichliche Ambivalenz zwischen Form und außerkünstlerischen Inhalt wird in seinen Skizzen dadurch aufgehoben, dass der Künstler für beide klare hierarchische Verhältnisse vordefiniert. Die sichere und genaue Formgestaltung wird dem Inhalt vorgezogen.

Die in diesem Skizzenbuch versammelten Zeichnungen präsentieren bewusst, lediglich einen Teil der Zoozeichnungen von Feinstein und zwar seine kompromisslosesten: Die reine Bleistiftskizze mit ihrer unkorrumpierbaren Technik. Hier können keine farblichen Effekte mögliche Fehler kaschieren. Feinstein wählte diese Technik, da der zur Askese neigende Bleistift am ehesten seinem zeichnerischen Purismus entspricht. Darüber hinaus bietet diese Technik eine größere Klarheit und Formgestaltung.

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Feinstein offenbart sein Können am deutlichsten in der Fähigkeit, eine Gestalt mit wenigen Linien zu erfassen. Für seine minimalistisch anmutende Darstellungsmanier eignet sich daher hervorragend die Skizze. Durch klare Konturlinien setzt der Künstler die Hauptakzente, mit spezifischen Details vertieft er das Charakteristische der Gestalt.

Doch die reine Zeichnung ist Feinstein zu eng; in der Großzügigkeit, mit der er Schraffuren einsetzt, erkennt man die Hand des Malers. Bei manchen Zeichnungen zieht er die Linien so eng, dass sie zum Farbfleck verschmelzen. Hier konnte sich der Maler der Pracht und Farbe nicht gänzlich entziehen und lässt nun den Betrachter die Farbigkeit des dargestellten Tieres erahnen.

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Die meisten Tiere, die in diesem Band zu sehen sind, ruhen in einer für ihre Art spezifischen Pose. Am einfachsten wäre die Darstellung dieser Eigenschaftdurch die Vorliebe des Malers Feinstein zum Stilleben und ferner zum ruhigen Beobachten zu erklären. Darüber hinaus liegt wohl auch eine Begründung dafür in seinem Bestreben, auf eine Erzählung und die mit ihr verbundene Bewegung zu verzichten. Auch die Umgebung der Tiere, – man denke im Gegensatz dazu etwa an die Zoobilder eines Max Slevogt, der durch seine Darstellung von Gittern oder den Blick aus einem Käfig das Gefangensein der Tiere thematisierte – kommt in den Zeichnungen von Feinstein nicht vor. Seine ungeteilte Aufmerksamkeit gilt der darzustellenden Gestalt, wohl gemerkt bis auf eine Ausnahme: Die Affenbilder. Sie scheinen diese Regel nicht zu bestätigen. Die Affen spielen miteinander, ziehen Grimassen, und noch wichtiger: sie sehen komisch aus. Dieses komische Moment bei den Affendarstellungen steigert die Suggestivität der Zeichnungen. Bezeichnenderweise nimmt die Naturtreue und die Präzision in manchen dieser Bilder ab, wahrscheinlich um die Expressivität am effektivsten auszuspielen. Stehen wir hier also vor einem Widerspruch bei der Arbeitsweise des Künstlers? Offensichtlich ja. Gleichzeitig ist auch in diesen Bildern die Liebe des Meisters zu seinem Handwerk nicht zu übersehen. Durch das Komische gelingt es Feinstein, die rigorosen Methoden des Puristischen aufzulockern: und den Betrachter seine Zeichnungen genießen zu lassen.
© Ljudmila Belkin, Frankfurt am Main, 2007

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Der Künstler

Pavel Feinstein, Künstler. Geboren 1960 in Moskau, lebt und arbeitet seit 1980 in Berlin.

Feinstein


Weitere Informationen


Ausstattung und Preis
  • 63 Seiten
  • durchweg s/w-Abbildungen
  • ISBN: 978-3-941305-03-8
  • Preis: 19,90 EUR

Verfügbarkeit